Weiterlesen" /> Weiterlesen" /> ?>

Symbole

Veröffentlicht von ORF am

Vor Jahren war ich in einer Spezialklinik, wo man mir die linke Schulter richten wollte. Jedenfalls war das Krankenhausessen ziemlich fade und eintönig, aber dafür ist es ja berühmt sozusagen – im Gegensatz zu mir. Noch nicht einmal ein besonders schönes Schlagloch benannte man nach mir, geschweige denn eine Straße, die durch die Benennung mit meinem Namen sicher nur gewinnen könnte. Und so traurig mich das stimmt: Dies wird auch in der nächsten Zukunft vermutlich nicht passieren.

Na ja, raus jetzt aus dem Markt der Eitelkeiten!

Unser Autor sorgt für Stimmung im Krankenhaus

Um dem Klinikessen einen gewissen Touch von Geschmack zu verleihen, versah ich die meisten Speisen – also Wurst und Käse – mit einem Kringel von scharfem Zeug, Hauptsache sehr scharf. Das waren zumeist irgendwelche würzigen Pasten aus der Tube.

Da ich künstlerisch relativ geschickt war und zudem auch über eine ausschweifende Fantasie verfügte, gab ich der jeweiligen Kreation entsprechende Namen und konnte so die doch recht große Neugier meiner Mitpatienten befriedigen, die immer alles ganz genau wissen wollten. So ernannte ich eine dieser Anfertigungen, die nur eine Haltbarkeitsdauer bis zum Verspachten hatte, zum chinesischen Symbol für „Glücklicher Salamander“. Da ich auch mit einigen chinesischen Ausdrücken dafür aufwarten konnte – z. B. in Mandarin: kuaile de rong yuan, in Jin: kabu gara ai salamander oder aber kantonesisch: Faai lok ge wing jyun (oder so ähnlich), um nur ein paar zu nennen –, war ich alsbald ein Chinesenversteher oder schlicht der Typ, der ein Rad abhatte. Zwar tendierte ich sehr zu Letzterem, aber das Krankenhausessen hatte gewissermaßen geschmeckt, nachdem ich es verfeinert hatte.

Der Chinesenversteher bei seiner Lieblingsbeschäftigung

Noch heute bin ich in dieser medizinischen Einrichtung bekannt wie ein bunter Hund, obwohl das Ganze schon ein Jahrzehnt zurückliegt.