Sind der Arbeiterpartei SPD die Arbeiter abhanden gekommen?
Einst war sie stolz, die große Freundin der Malocher, die Stimme der Schichtarbeiter, die Partei der ölverschmierten Hände und der Pausenbrotdosen zu sein: die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Heute steht sie da wie ein Betriebsrat auf einer Betriebsversammlung ohne Belegschaft.
Denn während die SPD noch darüber diskutiert, wie man den „Arbeiter von heute“ emotional abholt, ist dieser längst physisch abgereist. Erst die Fabrik nach Osteuropa, dann der Arbeiter gleich mit, zumindest indirekt. Was früher ein Hochofen im Ruhrgebiet war, ist heute ein Logistikzentrum irgendwo zwischen Shenzhen und „Versand wird vorbereitet“.
Die klassische SPD-Zielgruppe? Wegoptimiert. Automatisiert. Outsourct. Und wenn doch noch irgendwo ein Arbeiter existiert, dann arbeitet er im Homeoffice als „Senior Process Manager für digitale Transformation“ und wählt (aus Versehen natürlich) die Grünen.

Das waren noch Zeiten …
Die Partei selbst wirkt dabei ein wenig wie ein Traditionsverein, der noch von der guten alten Zeit träumt, während das Stadion längst zum Einkaufszentrum umgebaut wurde. „Mehr Respekt für die Arbeit!“ ruft man in die Runde. Doch die einzige Antwort kommt vom Algorithmus eines Lieferdienstes.
Und so schrumpfen nicht nur die Industriearbeitsplätze, sondern auch die Wahlergebnisse. Früher hoch zweistellig? Heute eher so wie die Restbestände im Schlussverkauf: stark reduziert, kaum Nachfrage.
Vielleicht liegt das Problem aber gar nicht nur am Verschwinden der Arbeiter. Vielleicht ist es auch ein Missverständnis: Während die SPD noch glaubt, sie vertrete die Arbeiter, haben diese längst neue Vertreter gefunden, oder schlicht resigniert und vertreten sich selbst auf der Couch.
Am Ende bleibt die große Frage: Was ist eine Arbeiterpartei ohne Arbeiter?
Ein Traditionslabel – irgendwo zwischen Nostalgie und Neupositionierung.