Weiterlesen" /> Weiterlesen" /> ?>

Erschütterung

Veröffentlicht von ORF am

Vor kurzer Zeit flanierten die Gattin, der Hund und meine Wenigkeit um einen Stausee am Ortsrand von Friemar (Thüringen). Bevor jetzt Fragen aufkommen: Wir sind um den ganzen See gelaufen und ja, der Hund war angeleint!

Jedenfalls begegnete uns unterwegs ein junger Mann (etwa 15 Jahre alt). Der sah unseren Hund und sagte: „Da haben Sie ja was Großes an der Leine!“

Vielleicht hat mich da der Affe oder irgendein anderes Wesen gelaust, jedenfalls antwortete ich: „Wohl wahr, viele Tiere des Wassers sind nicht ohne!“

„Wieso Wassertier? Das ist doch ein ganz stinknormaler Hund, noch nicht einmal ein Seehund!“

Begegnung am See

„Vor vielen Jahren war unser Alf mal ein Fisch unter seinesgleichen. Er trug Schuppen (als Gewand?) und nannte Kiemen sein Eigen. Doch eines Tages erwachte in ihm das diffuse Bewusstsein, dass er sich im falschen Körper wähnte und nur zu gerne etwas dagegen tun würde. Noch bevor sein Körper irgendwie auf diese plötzliche, neue Erkenntnis reagieren konnte – die ersten Schuppen abwerfen, eine Lunge bilden usw. –, war es schon fast vorbei mit seinen hochfliegenden Wünschen, denn ein Angler hatte ihn am Haken. ‚Petri Heil‘, schrie der fischfangende Zeitgenosse, und er meinte sicherlich nicht Frauke Petry, ehedem die Gründerin eines Ortsverbandes der AfD. Nach ihrem Austritt gründete sie kurz darauf die ‚Blaue Partei‘, ich glaube, noch rechter als rechts. Also, die meinte der Angler sicher nicht, obwohl ‚Heil‘ – das würde irgendwie passen! Offenbar wollte der bewusste Fischmeuchler Selbiges mit Alfy (früher Alfons der Karpfen) verrichten und ihn ‚blau‘ (Nachtigall, ick hör dir trapsen) seiner Herzallerliebsten zum Abendbrot servieren. Da klagte ihm der Fisch schnell noch sein Leid – zum Glück, bevor der entscheidende Schlag fiel und Alfons geendet hätte im Magen von Regina, der ewig hungrigen Fischfresserin aus dem Gothaer Raum.

Den Petrijünger übermannte das Mitleid und er beauftragte einen ihm persönlich bekannten Ichthyologen (Fischkundler) mit der Aufgabe, alles Erforderliche (vom Wasser aufs Land etc.) in die Wege zu leiten. Alfons dümpelte derweil in einem großen, artgerechten Aquarium vor sich hin.

Da kann die Jugend echt noch was lernen!

Mittels einer älteren Version von CRISPR/Cas (Genschere) gelang dem Wissenschaftler das Ungeheuerliche: Unser späterer Freund verlor seine Schuppen, er bildete eine Lunge heraus, die Kiemen verkümmerten. Mittlerweile lebte er schon auf dem Trockenen, zuerst übergangsweise und nun ständig. Dabei wuchsen ihm vier Gliedmaßen und eine buschige Rute. Und voilà, da schnüffelt es umher, das Ergebnis.“

Klar war das alles totaler Humbug, aber ich flunkere halt auch gern mal in der Gegend rum – zumindest da, wo mich keiner oder kaum einer kennt! Der Knabe, dem ich diesen Unfug erzählte, hat bestimmt zum letzten PISA-Ergebnis beigetragen, und nicht umsonst ist dieses wieder derart vor den Baum gegangen!