Akademie für seltene Dienstleistungsberufe

Veröffentlicht von Markscheider Michel am

Bildungsangebote in Markscheid / Teil 2

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserer Serie über die Vielfalt Markscheider Bildungsangebote möchten wir Ihnen heute die “Akademie für seltene Dienstleistungsberufe” vorstellen. Es handelt sich um eine private Berufsakademie, alle Ausbildungsgänge führen zu einem staatlich anerkannten Berufsabschluss. Wir sprachen mit der Leiterin der Akademie, Henriette zu Emscherbruch.

MamM: Frau zu Emscherbruch, Dienstleistungsberufe stehen im Fokus wie selten zuvor, was ist die Besonderheit Ihrer Akademie?

HzE.: Nun, bei unserer strategischen Ausrichtung wurde schnell klar, dass wir nicht den fehlenden Bedarf an Kita-Erziehern oder Alten- und Krankenpflegern werden decken können, da wir dabei im Wettbewerb zu anderen Dienstleistern stehen. Wir haben uns daher auf 4 exotisch anmutende Ausbildungsgänge konzentriert, in denen wir aber die Besten der Besten sein wollen. Wir bilden ab sofort aus zu:

  • Hofnarr (m/w)
  • Vorkoster (m/w)
  • Türmer (m/w)
  • Haderlump (m/w/a)

MamM: Das sind ja alles Berufe aus dem Mittelalter! Besteht denn dafür heutzutage noch Bedarf?

HzE.: Der aktuelle Bedarf an Spezialisten ist in den Ausbildungsgängen durchaus unterschiedlich. Bei den Vorkostern übersteigt in den letzten Jahren die Nachfrage das Angebot an Absolventen erheblich. Als international breit aufgestellte Unternehmung konnten wir uns in verschiedensten Märkten einen hervorragenden Namen machen, von russischen Oligarchen, über Oppositionspolitiker in Staaten der arabischen Halbinsel, bis hin zu bekannten Enthüllungsjournalisten. Letztere, und das muss ich ausdrücklich betonen, in allen Ländern. Gerade in dieser Hinsicht gibt es international kaum mehr Unterschiede, unabhängig von der Regierungsform oder den ökonomischen Systemen. Leider gibt es in der letzten Zeit verstärkt Ersatzbedarf für Kollegen/innen, die einen kleineren oder größeren Arbeitsunfall hatten, aber darüber darf ich in der Öffentlichkeit leider aus politischen und humanitären Gründen keinerlei Details preisgeben. Um die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser bedauerlichen Einzelfälle noch weiter zu reduzieren, müssen wir unsere Absolventen so hart und realistisch wie möglich vorbereiten. Da spielt gerade die Markscheider Gastronomie eine tragende Rolle bei den Praxisübungen, insbesondere bei der Abhärtung verweichlichter Wohlstandsmägen.

MamM: Was ist mit den Türmern? Heute  empfängt doch jeder Nachrichten im Internet oder zumindest im Radio.

HzE.: Diese Frage wird uns häufig gestellt. Der Türmer ist eindeutig der Ausbildungsberuf mit dem exotischsten Flair. Dabei sind die Aufgaben gleich geblieben. Wie heute kaum noch jemand weiß, warnten die Türmer auch vor marodierenden Banden. Nachdem die Ordnungskräfte sich zunehmend hilflos gegenüber Einbrecherbanden zeigen, gibt es einen Bedarf an zusätzlicher Sicherheit. Mit seinem beispiellosen Überblick und seiner Erfahrung ist ein Türmer nach der Einarbeitung quasi Fleisch gewordenes “Predective Policing”, wovon ja heute alle reden. Da kann keine Drohne und kein Algorithmus mithalten.

Wer wollte da nicht Türmer werden?

MamM: Und die Haderlumpen? Das waren doch früher praktisch Altkleidersammler?

HzE.: Ja, das sind sie im Kern auch heute noch. Aber nach all den schlechten Meldungen rund um die gewerbliche Altkleidersammlung hat der Verbraucher heute ein Bedürfnis nach Regionalität und persönlicher Betreuung. Die von uns ausgebildeten Haderlumpen können, bei Bedarf, sogar eine persönliche Farb- und Stilberatung durchführen. Das heißt, ihr Anteil an der Wertschöpfungskette wird größer. Da gehören auch Politiker zu den Kunden unserer Absolventen, Namen kann ich selbstverständlich nicht nennen. Nur so viel sei verraten: es ist nicht ausdrücklich auf das linke Spektrum der politischen Meinungslandschaft begrenzt.

MamM: Welches ist, Ihrer Meinung nach, der schwierigste Beruf?

HzE.: Ohne Zweifel ist dies der Hofnarr. Hier beginnen wir mit einem sehr strengen und anspruchsvollen Auswahlverfahren. Irgendwelche Möchtegern-Satiriker oder Comedians haben da keine Chance! Eine breite Allgemeinbildung ist das A und O, zusätzlich aber eine ganze Reihe weiterer Fähigkeiten. Das größte Problem bei diesem Ausbildungsgang ist, dass das Tätigkeitsfeld als solches in vielen Regierungen und Herrscherhäusern bereits abgedeckt ist, unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen: mal sind es verschiedenste Ministerämter, in einem Fall das Außenministerium, oft üben die Pressesprecher diese Funktion aus. In manchen Ländern füllt sogar das Staatsoberhaupt selbst die Rolle voll umfänglich aus, und die eigentlichen Regierungsentscheidungen fallen im Hintergrund. Was vielleicht für potenzielle Bewerber interessant wäre: die Kostümierung, die man teilweise aus Märchen- oder Mittelalterfilmen kennt, gibt es heute so nicht mehr. Optisch verschmilzt der moderne Hofnarr heute mit seiner Umgebung.

MamM: Frau zu Emscherbruch, herzlichen Dank für diese interessanten Einblicke und “Glückauf”!

Kategorien: Bildungswesen