Der kleine Notarzt, eine Notfallfibel für ambitionierte Ersthelfer zuhause und auch draussen

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Aufgrund der mehrheitlich fragwürdigen Kommentare durch die üblichen Ignoranten, die zeigen, dass die meisten Markscheider noch weniger von Notfällen verstehen als Dr. Scheider, sieht sich die MamM veranlasst, für häusliche Notfälle eine kleine Notfallfibel herauszugeben. Damit sind nicht jene tragischen Notfälle gemeint, bei denen der Durst noch gross, aber der Keller leer ist, oder der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht und der Geldbeutel nach dem letzten Kneipenbesuch unauffindbar bleibt.

Wir sprechen hier von richtigen medizinischen Notfällen, wie: „Sie findet keine Widerworte mehr“, oder: „Sein Kopf schaut nach hinten“, „War in El Blindos Pizzeria“, um nur einige alltägliche Notrufe auf dem Anrufbeantworter der Markscheider Notrufzentrale (Notrufnummern: 116/117, meist durchgehend besetzt, aber nicht immer) zu erwähnen.

Ist der Unfall schon zu lange her und sind die Verletzten bereits verwest, empfiehlt sich Zurückhaltung mit Notfallmassnahmen

Also, hier sollen einige der wichtigsten medizinischen Sofortmassnahmen beschrieben werden. Es empfiehlt sich, sie einige Male mit Familienangehörigen zu üben, damit im Notfall jeder weiss, was zu tun ist und damit, wenn es darauf ankommt, nicht einer oder zwei einfach nur blöd in der Gegend herumstehen, wie das meist bei Notfällen der Fall ist. Das Dokumentieren des Notfalls durch Videoaufnahme hat wenigstens in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht und wird sehr empfohlen. Es lässt sich dann einfacher rekonstruieren, was schief gelaufen ist.

  1. Der von Dr. Schneider patentierte Schulterwiedereinrenkgriff, oder wie der medizinische Fachbegriff lautet: Der Luxationsreparaturmurx, oder „Scheidersche Fuss-Hand-Ruckzuckgriff® wurde bereits im Artikel „der starke Tobias“ ausführlich beschrieben. Wegen der in der Redaktion eingetroffenen wie immer saudummen Fragen hier noch ein Nachtrag: Damit der Griff erfolgreich durchgeführt werden kann, sollte der/die Verletzte flach auf dem Rücken liegen. Der Helfer sitzt mit zugewandtem Gesicht neben der ausgerenkten Schulter auf dem Boden und hat sein gestrecktes Bein so, dass der Fuss des Helfers in der Achselhöhle der verletzten Schulter ruht. Merke: Seite nicht verwechseln, bei Fusspilzbefall Schuhe nicht ausziehen!
  2. Die Schädeltrepanation. Bei starken Druckkopfschmerzen, am Tag nach einer Junggesellenfeier beispielsweise, empfiehlt es sich, eine sofortige Schädelöffnung durchzuführen, um das geschwollene Gehirn zu entlasten. Diese Notfallmassnahme kann beim ersten Mal mit einer Kokosnuss geübt werden. Man nehme ein trennendes Instrument wie eine Stichsäge, japanische Holzsäge oder einen Büchsenöffner und mache, an der Stirn beginnend, einen kreisförmigen Schnitt um den Kopf herum. Damit der Schnitt optisch ansprechend herauskommt, empfiehlt es sich, einen geeigneten Topf (verkehrt herum!) auf den Kopf zu setzen. Er dient als Anschlag und garantiert einen geraden Schnitt. Wird nach erfolgreicher Öffnung des Schädels kein Gehirn gefunden, sollte Dr.Scheider gerufen werden. Er kennt sich damit aus. Bei Wiederholungsfällen, medizinisch: „Rezidiven“, empfiehlt es sich, entweder hinten oder vorne oder auch seitlich ein Scharnier einzubauen, was künftige Trepanationen wesentlich einfacher macht. Merke: Das Scharnier sollte aus witterungsresistentem Material sein und Achtung: Jeweils nur auf einer Seite ein Scharnier einbauen! Wir haben schon Fälle gesehen, wo auf gegenüberliegenden Seiten je ein Scharnier vorhanden war! Also bitte!
  3. Die Lebensmittelvergiftung, eine in Markscheid häufige Notfallsituation: Man nehme einen Liter Wodka und drei Stück Holzkohle (der findige Heimwerker weiss: Asche aus Opas Urne geht auch!). Man zerstosse die Holzkohle, siebe die Asche (um das künstliche Hüftgelenk nicht mit zu verarbeiten), mische das Ganze mit dem Wodka und flösse dies dem Vergifteten ein. Damit ist die Arbeit getan und alles wird gut.
  4. Der unverhoffte Atemstillstand: Sofort sollte die künstliche Beatmung begonnen werden: Man nehme eine Fahrradpumpe, oder, falls vorhanden, einen Druckluftkompressor (aus dem Baumarkt) und einen Staubsauger. Man führe den Staubsaugerschlauch in den Mund des Nichtmehratmenden. Nun werden beide Geräte abwechslungsweise im 15-Sekunden-Takt angeschlossen und eingeschaltet (es empfiehlt sich, auf das Umstecken der Anschlüsse mit entsprechenden Adaptern vorbereitet zu sein!). Atmet der Atemlose wieder selber, können die Geräte abgeschaltet werden. Die Prozedur sollte nicht länger als 60 Minuten durchgeführt werden. Warum, wissen wir auch nicht.

Um bei diesen, teilweise doch heiklen Massnahmen erfolgreich zu sein, gilt auch hier die Devise: Üben, üben und nochmals üben!