Hobby-Taxing
Markscheid ist erneut der Vorreiter eines neuen Trends. Nach Hobby-Horsing, Hobby-Braining und Hobby-Trinking schlugen die Vertreter der wenig arbeitenden Klasse etwas Neues vor – ohne den Gemeinderat informiert zu haben.
Im Hinterzimmer von Els Pizza, wo sich gewöhnlicherweise die lokale Mafia traf, um künstlerische Drogen auszutauschen, drängten sich die wichtigsten Vertretenden.
Fräulein Hintenmit ergriff das Wort und strich sich durch die Pietistenzwiebel. „Habt ihr in den letzten Jahren überprüft, wohin all Euer Einkommen verschwunden ist?“
Die Anwesenden tuschelten.
„Alkohol? Halblegale Drogen?“
„Nein. Es sind weder Kaviar noch Wagyu-Rind oder gar Tofuschnitzelnde.“ Hintenmit erhob die Stimme. „Es sind die Steuern, die inzwischen selbst auf Regenwasser und die Atemluft erhoben werden.“
Die anderen Bürgenden blickten einander an. Ein gleichmäßiges Nicken war die Folge.
„Wenn ihr Einkommen erzielt, etwas kauft oder verkauft – überall greift Frau Crohn-Corque in unsere Taschen.“
Als der Dorfschöne sich das bildlich vorstellte, errötete er. Das klang nun doch sehr pervers.

Lauter ehrenwerte Bürger
„Aber was können wir denn dagegen machen? Sie ziehen das alles automatisch ein!“ Das war der erste sinnvolle Einwand.
„Nun, wir werden das hier in Markscheid prinzipiell erledigen. Wir nennen es Hobby-Taxing.“
Was war denn das wieder für ein Anglizismus?
„Es ist analog zum Hobby-Horsing. Dort hüpft man mit Holzpferden.“
Die Mienen zeigten Unverständnis.
„Ganz einfach: Wir zahlen nur virtuell, das Geld geht nicht auf staatliche Konten. Wir tun einfach nur so, als wären wir Steuerzahlende.“
Die anderen verstanden sofort.
„Damit können wir das Geld für sinnvolle Zwecke reservieren.“
Hintenmit hob den Daumen. „Genau. Jeder hat nun die Möglichkeit, seinen Lastern nachzugehen.“
Dass sie für den Nachschub an allen möglichen und unmöglichen Drogen verantwortlich war und auch Anteile am örtlichen Bordell innehatte, kam nicht einmal nach der dritten Runde Tequilaginwodka zur Sprache.
