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Justizreform in Markscheid

Veröffentlicht von Herbert Schwaderlapp am

Die jahrelangen Gerüchte hatten ein Ende und die Spannung, die in den letzten Monaten durch Markscheid geisterte, entlud sich in einem allgemeinen Freudenfest. Die hundertköpfige „Kommission zur rudimentären Reform der Justiz in Markscheid”, in der sämtliche Unbedeutenden und Ahnungslosen aus Regierung, Opposition und Verwaltung vereint waren, kam zu einem konstruktiven Ergebnis:

Die allseits geschätzte hochwohlgeborene Bürgermeisterin unseres geliebten Heimstädtchens Frau Crohn-Corque nahm heute in einer feierlichen Zeremonie die neueste Errungenschaft des Justizministeriums in Betrieb. Nach vielen Klagen über jahrelange Verfahren, enorme Kosten sowie allseits unbefriedigende Urteile hat Markscheid den Stein der Weisen, das Nonplusultra in der Rechtsprechung gefunden und in Betrieb genommen: Den Urteilsfindungsapparat.

 

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Aufgebaut am Eingang des „Zentrums für Justiz und Unrecht”, ist er zum Gebrauch für Jedermann freigegeben. Trotz anfänglichen Misstrauens durch die Beamte des Justizministeriums konnte sich die Kommission durchsetzen. Sowohl Straf- als auch Zivilprozesse können durch diese geniale Erfindung beschleunigt werden. Der Delinquent oder auch die zerstrittenen Parteien können so, im Beisein eines Notars, der sich vor der Ziehung von der Objektivität des Gerätes überzeugt hat, mit einem Dreh zu einem ausgewogenen und fairen Urteil gelangen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Justiz werden Urteile ohne Ansehen der Person gefällt. Bevorzugungen wegen Alters, Geschlechts oder der finanziellen Lage sind ausgeschlossen. Der Zufall ist so blind, wie es Justitia sein sollte und als kleiner Nebeneffekt werden Richter, Anwälte und Staatsanwälte nicht mehr gebraucht und können sinnvolleren Tätigkeiten zugeführt werden. Endlich, so unsere Bürgermeisterin, ist der Begriff „Rädern” positiv besetzt.

Rechtsschutzversicherungen werden geändert, so dass man mit Versicherung bis zu dreimal am Rad drehen darf und bei Zahlung einer entsprechenden Gebühr ist eine Erhöhung der Anzahl der Drehungen nicht ausgeschlossen. Allerdings wird hier festgestellt, dass jeder Angeklagte mindestens eine Chance hat, die ihm nicht verwehrt werden darf, die sogenannte finale Drehung. Das unter Denkmalschutz stehen Gerichtsgebäude wird zu einem Spielcasino ausgebaut, die Kantine allerdings spezialisiert sich auf Freudenfeiern von frisch Verurteilten.

Dass inzwischen der Markscheider Anwaltsverein am Rad dreht, ist nur von untergeordneter Relevanz, denn durch die Einführung diffus formulierter Gesetze wie der DSGVO kann die Armut der Anwälte durch Abmahnungen im großen Stil aufgefedert werden.

Kategorien: Aus der Verwaltung