Reden beim Gassi
Vor geraumer Zeit hatte ich mit Hund Alfy ein zutiefst philosophisches Gespräch über Fragen wie zum Beispiel: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir? Was könnten wir tun … und sind wir allein im Universum? Klar, auch über viele andere Dinge habe ich dazumal referiert, aber der Hund hat sich – bis auf den Umstand, dass er mich etwas eigenartig musterte – in keinster Weise eingebracht, so als würde ihn dies alles nichts angehen.
Diesmal sollte es nun etwas mehr aus den Bereichen Kunst, Ästhetik und Verwandtem sein. Nachdem unser Rüde ein wunderschönes Häufchen – selbstverständlich an einer dafür erlaubten Stelle – abgedrückt hatte, wurde er von mir nicht nur ausführlich gelobt: „Das hast du prima gemacht! Kein Tier einer anderen Gattung könnte dir in dieser Hinsicht das Wasser reichen!“ und vieles andere mehr, was die Stoffwechselendentsorgung betraf.

Wenn der Hund sich weitgehend unbeeindruckt zeigt …
„Dieses Häufchen, ein gelungenes und auch die ästhetischen Sinne des Betrachters anregendes Werk, ist die kreatürliche Darstellung eines Zustandes. Geschickt eingefangen sind hier das Yin und Yang der modernen und vielleicht sogar postmodernen Welt. Solange es Leben gibt, so lange wird auch der Vorgang, den wir hier mal ‚das letzte Ende eines Stoffwechsels‘ nennen, sein.
Klar gibt es immer wieder Vertreter der humanoiden Sorte, die unbedarft und abhold jeder Schönheit einfach in das Werk hineintrampeln und sich hinterher noch beschweren, wenn der heimische Perserteppich mit den Resten dieser exkrementalen Darstellung eines Weltenzustandes ‚verunreinigt‘ wird. Das sind alles Banausen, mein rotfelliger, hin und wieder bellender Freund!“
Und obwohl ich vieles von dieser Ansprache zu Hause vor dem Spiegel geprobt hatte, schien es den Hund nicht die Bohne zu interessieren und er zog mich, total unbeeindruckt, weiter – immer mit der Nase nach unten, auf der Spur einer läufigen Hündin. Kann natürlich auch sein, dass irgendein Wild (Hase, Fuchs, Reh, Leopard, Löwe, Elefant oder Vergleichbares) hier auf unserem Weg entlanggekommen war.