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Wie „Blockflöten-Schröder“ den Corporate Spirit einatmet

Veröffentlicht von El Blindo am

MARKSCHEID (dpoi): In den staubigen Hallen der Blockflöten-Schröder GmbH & Co. KG – seit 1894 Marktführer für C-Sopranflöten aus heimischem Birnbaumholz – roch es traditionell nach Sägespänen, Leim und dem kalten Kaffee der Frühschicht. Doch damit ist jetzt Schluss. Wo früher kantige Handwerker im Blaumann rohe Holzklötze in feine Blasinstrumente bohrten, weht heute ein Hauch von Patschuli und radikaler Selbstfürsorge.

Geschäftsführer Axel Schröder (54, trägt jetzt Leinenhemden und nennt sich „Chief Well-being Officer“) hat die Zeichen der Zeit erkannt. „Die Blockflöte ist an sich ein zutiefst achtsames Instrument“, erklärt Schröder, während er im Lotussitz auf einer ergonomischen Korkmatte balanciert. „Sie erfordert Atemkontrolle. Doch jahrelang haben wir den Druck erhöht, anstatt den Flow zu suchen. Doch jetzt brechen wir auf.“

Hier werden Werte geschaffen

Die Transformation der Belegschaft stieß anfangs auf Widerstand. Meister Erwin Kaczmarek (61), der seit 42 Jahren an der Drechselbank steht, zeigt sich skeptisch: „Früher haben wir um sieben den Hebel umgelegt und Späne gemacht. Heute müssen wir erst mal zwanzig Minuten lang unseren eigenen Atem spüren. Wenn ich meinen Atem spüren will, geh ich nach der Schicht drei Pils trinken.“

Doch das Management kennt kein Pardon beim Thema Seelenfrieden. Im Rahmen der Initiative „Mindful Machining“ wurden die lauten Maschinen durch Klangschalen ersetzt. Jede Stunde schlägt nun ein Gong durch die Werkshalle. Das Signal für die Arbeiter, sofort abzuschalten und in eine fünfminütige Gehmeditation über den ölverschmierten Hallenboden überzugehen. „Die Fehlerquote beim Bohren der Grifflöcher ist zwar um 40 Prozent gestiegen“, gibt Schröder zu, „aber die Löcher, die wir bohren, werden jetzt mit einer unglaublichen inneren Präsenz gebohrt. Das spürt der Kunde beim Spielen.“

Besonders hart hat es das Controlling getroffen. Abteilungsleiter Dr. Jürgen „Om“ Müller hat die klassischen Excel-Tabellen verbannt. „Zahlen sind so… bewertend“, meditiert Müller sichtlich bewegt. „Wir versuchen jetzt, den Umsatzverlust des ersten Quartals nicht mehr als negativ zu framen. Wir fühlen den Verlust einfach. Wir nehmen ihn an, ohne ihn zu verurteilen. Er darf da sein.“

Wer würde hier nicht gerne arbeiten?

Auch das Feedback-System wurde im Zuge der neuen Awareness-Kultur (Achtsamkeits-Richtlinie 4b) grundlegend reformiert:

  • Früher: „Müller, Ihre Zahlen sind eine Katastrophe!“

  • Heute: „Ich nehme im Raum eine starke Schwingung von ungelöstem administrativem Potenzial wahr. Wie fühlt sich diese Deadline in deinem Sakralchakra an?“

Falls es dennoch zu Spannungen kommt, hat die Firma den „Safe Space“ eingerichtet: Eine ehemalige Trockenkammer für Edelhölzer, die jetzt mit biodynamischen Dinkelkissen ausgelegt ist. Hier können Mitarbeiter hineingehen, wenn sie die „Realität der Flötenproduktion“ visuell und akustisch nicht mehr verkraften.

Selbst die Kantine – einst berühmt für ihre deftige Currywurst mit Pommes – wurde transformiert. Unter dem Motto „Mindful Munching“ wird nun jeden Dienstag das „Achtsame Kauen“ praktiziert. Die Belegschaft ist angehalten, jeden Bissen des veganen Algen-Dinkel-Riegels mindestens 120-mal zu kauen.

Safe Space bei Schröder

„Es ist ein Traum“, schwärmt HR-Managerin Chantal-Sophie (24). „Die Kantine ist mucksmäuschenstill. Man hört nur das synchrone Mahlen von 80 Kieferknochen. Das stärkt das Wir-Gefühl ungemein.“ Dass die Mittagspause dafür auf drei Stunden verlängert werden musste und die Produktion seit Wochen stillsteht, verbucht sie unter „notwendiger Entschleunigung“.

Wie es weitergeht bei Blockflöten-Schröder? Axel Schröder blickt optimistisch in die Zukunft, während er sanft über eine Premium-Altflöte streichelt. „Unser nächstes Ziel ist die Silent Company. Eine Woche lang absolute Stille im Betrieb. Keine Absprachen, keine Telefonate, keine Flötentöne.“

Auf die Frage, wie die Logistik dann die Bestellungen abwickeln soll, lächelt Schröder nur altersweise:

„Das Universum wird die Flöten schon dorthin senden, wo sie gebraucht werden. Wir müssen einfach nur vertrauen.“