Abgrenzungen
Es geht doch wohl nicht an, dass ich in unserem ehelichen Ruhepfuhl (Bett) mitten in der Nacht an den Rand gedrängt werde und mich in Gefahr befinde, einen atemraubenden Sturz von etwa 30 cm auf den Boden zu tun – der erst vor relativ kurzer Zeit, also vor etwa zwanzig Jahren, mit dazumal neuestem Laminat versehen wurde.
Früher, als wir noch kein Laken hatten, welches sich über beide Teile unseres Bettes spannt – daher der Name Bratkartoffel, nämlich Spannbettlaken –, war zwischen beiden Betten eine Riefe, Fuge, was weiß ich, in die man mit Vehemenz den Arm rammte und dem vor Gesetz und Öffentlichkeit angetrauten Partner ein gebieterisches „Bis hierher und nicht weiter!“ entgegenschleudern konnte. Aber ach, diese Zeiten sind vorbei, und mit eben jenem Spannlaken über zwei Betten kommt man dem Bedürfnis des jeweiligen Ehegatten näher, den anderen Teil der häuslichen Regierung sozusagen über Bord zu schubsen und das Territorium des Konkurrenten um den Liegeplatz für sich selbst in Beschlag zu nehmen.

Wer will schon Nachts aus dem Bett segeln?
Gleich heute werde ich mich daran machen, auf der Mitte unserer Schnarchmulde (Bett) einen Drahtzaun zu errichten, der aus NATO-Stacheldraht lt. DIN besteht. Der Widerhakensperrdraht sollte natürlich für spätere eheliche Entspannungsübungen leicht zur Seite und danach wieder an Ort und Stelle geräumt werden können. So umgeht man geschickt und mit Bravour Gefahren (Abstürze), die einem drohen und das Schreiben von Geschichten verhindern könnten, um damit andere Mitmenschen zu langweilen. Ich meine, ein Gähnen ist nicht unbedingt förderlich für das Weltklima – wir atmen schließlich kein Chlorophyll ab wie Bäume und andere gesunde Pflanzen –, aber das sollte man schon in Kauf nehmen, um des, zumindest häuslichen, Friedens willen.

