Alternativlos: Das Reformkilo
Markscheid (ano) – Wir kennen das doch alle, gestern wog die Tafel Schokolade noch 100 Gramm, heute sind nur noch höchstens 90 Gramm Schokolade in der Verpackung versteckt. Shrinkflation lautet der Name für diese Praxis der Wirtschaft, den Verbrauchern ihre Produkte zu stabilen Preisen anbieten zu können, doch diese Maßnahme ist bei Kunden und Verbraucherschutzorganisationen umstritten. Völlig zu Unrecht, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche findet, denn dadurch ergeben sich für die Kunden auch erhebliche Vorteile. So reduziert sich das Gewicht der mühsam nach Hause zu schleppenden Einkäufe beträchtlich (um bis zu 10%!) und auch die Gefahr, durch den Genuss zu vieler Kalorien an Übergewicht oder Diabetes zu erkranken, sinkt drastisch. Damit sei die Absenkung der Füllmengen sogar ein effektiver Weg, die Gesundheit der Konsumenten aktiv zu fördern, und bei einem hohen Gut wie der Gesundheit dürfe man im Interesse der Verbraucher keine Kompromisse eingehen, so die Wirtschaftsministerin.
Ein der MamM vorliegender Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums sieht nun vor, die seit 1793 bestehende historische Einteilung des Kilos auf 1000 Gramm endlich zu kippen. Dieser Anachronismus sei heute nicht mehr zeitgemäß, logisch nicht zu begründen und man müsse es, auch mit Hinsicht auf die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft, wagen können, neue Wege zu beschreiten, sagte Reiche. So sei eine gesetzliche Reform des Kilos auf vorerst 900 Gramm alternativlos, könne aber nur ein erster Schritt auf dem Weg zur Konsolidierung der deutschen Wirtschaft sein.

Präsentation in gewohnt ansprechender Atmosphäre
Wirtschaftsministerin Reiche schlug ergänzend vor, die Abgabemenge pro Liter Benzin schrittweise dynamisch bis auf 500 Kubikzentimeter pro Neuliter anzupassen, statt ständig die Benzinpreise erhöhen zu müssen. So könne der Preis für Benzin völlig unabhängig vom Ölpreis dauerhaft zuverlässig auf €1,9999 für den Reformliter Super E10 stabilisiert werden. Solch eine flexible Mengenregelung würde es der Mineralölwirtschaft auch erstmals ermöglichen, Autofahrern alle Kraftstoffsorten zum gleichen Preis anbieten zu können. Denkbar wäre so nun auch die Abgabe in Pfandflaschen über Discounter, das Sechserpack Diesel oder wahlweise ein Fünferpack Super für €11,9999 wäre damit für das kleine Tanken zwischendurch zum Schnäppchenpreis praktisch überall möglich. Wie Ministerin Reiche ergänzend anmerkte, dürfe der Staat sich nicht in die Preisgestaltung der Märkte einmischen, sondern müsse stattdessen dafür sorgen, dass für den Handel überall marktgerechte Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Sprecher der Nahrungsmittel- und Mineralölindustrie, die solche Maßnahmen hinter vorgehaltener Hand schon lange gefordert hatten, begrüßten den technologieoffenen Ansatz der Ministerin mit stehenden Ovationen und luden sie anschließend zu einem Schnapsglas Champagner und einem Happen Minipizza am mobilen Bauchladenstand eines örtlichen Nobelpizzeriaunternehmers ein.