Die Kunst des Sparens: Warum 150 Millionen viel mehr sind als 30 Milliarden
Ein Kommentar von unserem Chefkorrespondenten für alternative Arithmetik
Es gibt Momente, in denen man einfach den Hut vor der politischen Elite ziehen muss. Während der gemeine Bürger noch dumm in der Gegend herumrechnet, beweisen uns die Profis gerade, wie man echte, knallharte Haushaltspolitik macht.
Das Problem ist bekannt: Der Sozialstaat liegt uns allen auf der Tasche. Und wo fängt man am besten an zu sparen? Richtig, bei denjenigen, die ohnehin schon gelernt haben, mit fast nichts auszukommen. Die Rechnung ist von bestrickender Logik: Wenn man den Ärmsten des Landes ordentlich auf die Finger klopft, Sanktionen verschärft und hier und da den Rotstift ansetzt, kann der Staat sage und schreibe 150 Millionen Euro einsparen. 150 Millionen! Das klingt nicht nur nach einer riesigen Zahl, das ist auch fast genug, um in Berliner Nobelvierteln ein paar neue Teppiche zu verlegen. Ein echter Meilenstein der Fiskalpolitik.

Kosten Geld: Arme Menschen
Nun kommen natürlich wieder die unverbesserlichen Spielverderber und wedeln mit wilden Zahlen herum. Sie behaupten, im selben Land gäbe es rund 3.900 Superreiche (deren genaue Anzahl inzwischen wohl eher bei 5000 liegen dürfte), die zusammen auf einem kuscheligen Finanzvermögen von drei Billionen Euro sitzen. Und dann kommt die absolute Unverschämtheit: Würde man diese Damen und Herren mit einer Vermögensteuer von 1 % belasten, flößen dem Staat jährlich 30 Milliarden Euro zu.
Aber mal ehrlich: Wer soll denn bitteschön mit 30 Milliarden Euro arbeiten? Das ist doch völlig unhandlich! Überlegen Sie doch mal, was das für ein bürokratischer Aufwand wäre:
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Wohin mit dem ganzen Geld? Sanierung von Schulen? Ausbau der Bahn? Entlastung der arbeitenden Mitte? Das würde die Menschen doch nur verhätscheln.
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Psychologische Grausamkeit: Wenn man den 3.900 Reichsten einfach so 1 % wegnimmt, müssten diese Menschen mit der traumatischen Erkenntnis leben, dass sie statt unvorstellbar reich nur noch absurd reich sind. Wer heilt diese seelischen Wunden?
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Die BlackRock-Formel: Jeder Wirtschaftsweise weiß, dass ein Euro, den ein Milliardär behält, viel härter arbeitet als ein Euro, den ein Bürgergeldempfänger für Brot und Strom ausgibt. Das ist die berühmte „Tröpfchen-Ökonomie“ (Trickle-Down). Es tröpfelt zwar nie unten an, aber das Zuschauen macht schon Spaß.

Verbreiten gute Laune: Reiche Menschen
Es ist also völlig klar: Die Jagd auf die 150 Millionen Euro bei den Ärmsten ist ein Akt reiner politischer Vernunft. Es zeigt Charakter, auch in dieser Frage klar Kurs zu halten.