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Dame darf nicht mehr geschlagen werden – Schachverband reagiert auf Sexismusdebatte

Veröffentlicht von Hans Wurst am

Markscheid (dpoi) – Nach Jahrhunderten der gesellschaftlichen Debatte über Rollenbilder, Gleichberechtigung und strukturellen Sexismus erreicht die Diskussion nun offenbar das Schachbrett. Der Internationale Schachverband hat eine grundlegende Reform des Spiels angekündigt: Die Dame darf künftig nicht mehr geschlagen werden.

„Wir müssen uns fragen, welches Frauenbild wir eigentlich vermitteln, wenn die mächtigste Frau auf dem Brett regelmäßig von einem dahergelaufenen Läufer, Springer oder Bauern vom Spielfeld gefegt wird“, erklärte ein Verbandssprecher. „Das ist historisch gewachsen, aber historisch gewachsen ist bekanntlich auch so manches andere, das wir heute kritisch sehen.“

Awareness-Beauftragter bei der Arbeit am Brett

Besonders problematisch sei die bisherige Formulierung „Dame schlagen“. Sie suggeriere, Frauen seien im Schach grundsätzlich schlagbar. „Ein Bauer darf weiterhin geschlagen werden, ein Turm ebenfalls. Aber bei der Dame müssen wir sensibel sein“, so der Sprecher.

Künftig soll daher nach einem Angriff auf die Dame zunächst ein Awareness-Beauftragter ans Brett gerufen werden. Dieser prüft, ob der gegnerische Spieler tatsächlich die Absicht hatte, die Dame zu schlagen, oder ob es sich möglicherweise um ein Missverständnis handelt.

Auch die traditionelle Ansage „Schach!“ steht auf dem Prüfstand. Kritiker bemängeln, dass darin eine unnötig aggressive Machtdemonstration stecke. Stattdessen soll künftig „Achtung, möglicherweise unbequeme Spielsituation!“ verwendet werden.

Besonders revolutionär: Die Dame soll künftig selbst entscheiden dürfen, ob sie das Spielfeld verlassen möchte. „Autonomie ist uns wichtig“, heißt es beim Verband. „Wenn die Dame gehen möchte, darf sie gehen. Wenn sie bleiben möchte, bleibt sie.“

Konservative Schachspieler reagierten entsetzt. „Wenn das so weitergeht, darf man bald überhaupt keine Figuren mehr schlagen“, warnte ein langjähriger Vereinsspieler. „Am Ende gewinnt einfach derjenige, der die sensibelste Partie gespielt hat.“

Dem König Schach, Ihr Bauern!

Der Verband weist diese Kritik zurück. Man wolle das Schachspiel keineswegs abschaffen, sondern lediglich „zeitgemäß weiterentwickeln“.

Als nächster Schritt sei bereits eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die prüfen soll, ob der König künftig ebenfalls von patriarchalen Strukturen entlastet werden kann. Immerhin sei es kaum noch vermittelbar, dass eine Frau die stärkste Figur auf dem Brett darstelle, während der Mann im Zentrum der Aufmerksamkeit stehe und sich bei jeder Gefahr lediglich hinter anderen Figuren verstecke.

 

 

Kategorien: Kultur