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Die Rentenrettung

Veröffentlicht von El Blindo am

Ein Kommentar von unserem Experten für utopische Demografie, Dr. Winfried Wohlstand

BERLIN (dpoi) – Es ist vollbracht! Die Rentenkommission hat gesprochen und die Formel für ewige wirtschaftliche Jugend gefunden. Jahrelang drückte die demografische Pyramide auf das Gemüt der Nation wie ein schlecht verdautes Schnitzel. Doch nun liegen sie vor uns: bahnbrechende Ideen, die das deutsche Rentensystem nicht nur sichern, sondern es quasi in den Zustand der Unsterblichkeit versetzen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Wenn niemand mehr in Rente geht, kann das System auch nicht kollabieren.

Hier sind die Meilensteine auf dem Weg ins ewige Arbeitsglück:

1. Rente mit 70+

Warum mit 67 aufhören, wenn das Leben mit 70 erst richtig anfängt? Die Kommission schlägt vor, das Renteneintrittsalter dynamisch an die Lebenserwartung zu koppeln. Ein genialer Schachzug! Statistisch gesehen leben wir schließlich alle länger – vor allem diejenigen, die im klimatisierten Büro sitzen und Champagner trinken. Dass der Dachdecker mit 69 eventuell leichte Balanceprobleme auf dem First hat, ist ein reines Kommunikationsproblem. Wir nennen es fortan einfach „Erlebnis-Arbeiten in luftiger Höhe“. Wer bis 75 durchhält, bekommt als Bonus einen ergonomischen Gehstock mit eingebautem Kaffeehalter.

Oma Wellmann ist glücklich, wenn sie ihre Zeit nicht mit den doofen Enkeln verbringen muß

2. Das Aus für die Rente mit 63

Bisher durften Menschen, die 45 Jahre lang brav geschuftet und eingezahlt haben, abschlagsfrei mit 63 in den Ruhestand. Ein unhaltbarer Zustand! Wo kämen wir denn hin, wenn Fleiß auch noch belohnt wird? Die Kommission macht damit kurzen Prozess. Wer mit 63 geht, wird künftig mit so saftigen Abschlägen bestraft, dass die verbleibende Rente gerade noch für eine Packung Haferflocken und ein Bahnticket (zweite Klasse, ohne Sitzplatzgarantie) reicht. Das motiviert!

3. Die Aktienrente

Der Staat entdeckt sein Herz für den Kapitalmarkt. Ein Teil des Bruttolohns wandert künftig direkt an die Börse. Endlich wird die Altersvorsorge wieder spannend! Statt langweiliger, garantierter Beträge erwartet die zukünftigen Senioren der Nervenkitzel des DAX. „Oma, wie steht eigentlich mein Renten-ETF?“ – „Schlecht, mein Kind, der Halbleiter-Markt in Taiwan schwankt, wir müssen diesen Monat die Heizung auslassen.“ Das bringt Schwung in die Seniorenresidenzen und sorgt für ein Grundwissen in spekulativer Makroökonomie bei Menschen über 80.

„Weinschorlen-Frank“ liebt seine Arbeit als Akkordmaurer

4. Politiker und Selbstständige müssen einzahlen

Jetzt wird es richtig wild: Auch Abgeordnete und Selbstständige sollen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Ein herrlicher psychologischer Kniff. Wenn Politiker plötzlich merken, dass ihr eigenes Geld in dasselbe schwarze Loch wandert wie das des Normalbürgers, könnten die Rentenreformen der Zukunft erstaunlich großzügig ausfallen. Die Kehrseite: Wenn Selbstständige im Alter merken, was sie herausbekommen, beantragen sie vermutlich sofort politisches Asyl in der Schweiz.

5. Das Ende des Altersteilzeit-Blockmodells

Das beliebte Blockmodell der Altersteilzeit – erst voll arbeiten, dann komplett frei haben – wird abgeschafft. Stattdessen soll das Einstiegsalter auf 58 angehoben werden. Warum auch die letzten Jahre in Ruhe im Garten verbringen, wenn man den Übergang viel „fließender“ gestalten kann? Künftig arbeitet man im Alter einfach jeden Tag fünf Minuten weniger. Mit 69 Jahren darf man dann um 15:42 Uhr den Stift fallen lassen, statt um 16:00 Uhr. Wenn das keine Lebensqualität ist!

Junge Leute, die sich schon auf die nächsten zwanzig Jahre auf der Baustelle freuen

6. Der sanfte Verzicht

Zu guter Letzt kehrt der sogenannte „Nachhaltigkeitsfaktor“ zurück, was im Klartext bedeutet: Die Renten steigen künftig spürbar langsamer. Das ist gelebter Verbraucherschutz! Weniger Geld im Alter schützt die Senioren vor den Gefahren des übermäßigen Konsums, senkt die Cholesterinwerte durch erzwungenen Verzicht auf Butter und schont das Klima, weil man sich die Urlaubsreise an die Ostsee ohnehin nicht mehr leisten kann.

Fazit: Die Botschaft der Reform ist klar und hoffnungsvoll: Arbeiten Sie einfach, bis der Arzt kommt, und hoffen Sie darauf, dass dieser keine Altersteilzeit beantragt hat.