Flüchtling beendet Ausbildung als Klassenbester

Veröffentlicht von frcx am

Wieder ein grossartiger Erfolg für Mobuto Mulamba. Der junge Mann mit dem einnehmend freundlichen Wesen, der erst vor wenigen Monaten als unbegleiteter Flüchtling nach Markscheid kam, beendete eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner in Rekordzeit. Es ist nicht das erste Mal, dass der sympathische Sechzehnjährige die Herzen der Markscheider erobert. Gerne erinnert unsere Zeitung an die mutigen Heldentaten des liebenswürdigen Schutzsuchenden.

Der 5. Juli war ein Tag im Leben, an den sich Mobuto Mulamba gerne erinnert. Kaum hatte er morgens seine Unterkunft an der Bumshagener Allee verlassen, fand er draussen auf dem Bürgersteig einen fetten Briefumschlag, den jemand offensichtlich dort verloren hatte. Zu Mobutos Überraschung enthielt der Umschlag 25.000 Euro in grossen Scheinen. Als Mensch, für den Ehrlichkeit eine selbstredende Selbstverständlichkeit ist, war es für Mobuto sofort klar, dass er diesen Fund bei der Polizei abgeben muss. Und so machte sich der sympathische Flüchtling auch gleich auf den Weg zur Polizeidirektion, wo er von einer freudig strahlenden Bürgermeisterin Crohn-Corque und einem zufällig in der Nähe anwesenden Kamerateam bereits erwartet wurde.

Fünf Wochen später. Der 8. August war einer dieser heissen Sommertage, die jeden Markscheider in Schwitzen bringt. Wie viele seiner Mitbürger nutzte auch Mobuto Mulamba die Gelegenheit, sich am Fickwalder Forstsee etwas Abkühlung zu gönnen. Als einen Achzigjährigen, der im tiefen Wasser in der Mitte des Sees schwamm, plötzlich ein Herzinfarkt ereilte, zögerte Nichtschwimmer Mobuto keine Sekunde und sprang sofort ins Wasser, um den hilflosen Mann zu retten. Ein Taucher der DLRG, der am Ufer gerade seine Ausrüstung überprüfte, erinnert sich:

“Meine Kollegen und ich, alles professionelle Taucher und schon lange bei der DLRG, bereiteten uns gerade auf einen schwierigen Tauchgang vor, als die Hilferufe zu hören waren. Wir waren wie gelähmt, schauten uns nur gegenseitig an und wussten nicht, was wir machen sollten. Zum Glück fasste sich der junge Geflüchtete ein Herz und eilte dem Ertrinkenden zur Hilfe. Wenn er nicht gewesen wäre, hätte der Mann das wohl kaum überlebt. Zurück am Ufer begann Mobuto auch sofort mit einer Herzdruckmassage, genau wie wir es ihm vorher gezeigt hatten.”

Gartenarbeit ist nur was für Vollprofis. Der bescheidene Mobuto Mulamba bestand übrigens darauf, daß wir sein Gesicht für diese Reportage unkenntlich machen

Nun darf sich Mobuto Mulamba über einen neuen Erfolg freuen. Am 19. September schloss der junge Mann mit dem einnehmenden Wesen eine dreijährige Ausbildung zum Landschaftsgärtner, die er wenige Wochen zuvor begonnen hatte, als Bester seiner Klasse ab. Günther Mehlspecht, der Inhaber der Gärtnerei am Klitorisweg, berichtet:

“Eigentlich hatte ja zwei Wochen vorher bereits ein Ausbildungslehrgang für fünf neue Azubis begonnen, und der war schon komplett. Aber als ich anlässlich eines unerwarteten Grossauftrags im Rathaus, bei dem alle Blumenkübel neu bepflanzt wurden, dann zufällig mit der Bürgermeisterin so ins Gespräch komme, habe ich mir gedacht, warum eigentlich keinen zweiten Kurs anbieten? Und so ein Individualkurs, als Einzelunterricht, hat ja auch Vorteile.”

Vorteile, die sich jetzt bezahlt machten, als Mobuto Mulamba die Ausbildung als Klassenprimus beendete. Meister Mehlspecht ist stolz auf seinen Zögling, der als Abschlussprüfung die kniffelige Aufgabe bekam, das Rosenbeet der Gärtnerei mit einer bereitgestellten Giesskanne zu bewässern.

Dennoch möchte der sympathische junge Mann im erlernten Beruf nicht weiterarbeiten. Vielmehr plant er seine zahlreichen Kontakte in Markscheid zu nutzen um seinem Onkel, Barrister Joseph Ogwueke, zu helfen, der als Rechtsanwalt selbstlos nach den unbekannten Erben verstorbener Eigentümer von Millionenvermögen sucht.