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Flusspferde am Rio de la Plata

Veröffentlicht von El Blindo am

Robert Wegemann, von allen nur kurz „Robbie“ genannt, war ein wirklich, wirklich schlechter Liebhaber. Sobald er jemanden kennengelernt hatte und Intimitäten ausgetauscht wurden, war die Dame quasi auch schon verschwunden. Robert wußte das natürlich und hoffte, eines Tages werde schon die Richtige auftauchen, die über sein krasses Unvermögen in Sachen Sexualität hinwegsehen und nur wegen seiner bezaubernden Persönlichkeit an seiner Seite bleiben würde. Doch hier unterlag er einem tragischen Irrtum, denn er war nicht nur ein denkbar schlechter Liebhaber, sondern zudem noch ein echtes Arschloch.

Als er vor einigen Wochen über eine Partnervermittlung mit Sami bekannt wurde, sah er endlich seine Stunde gekommen. Die hübsche schwarze Frau nigerianischer Herkunft interessierte sich sehr für ihn und seine (doch eher bescheidenen) Lebensumstände. Und einen tollen Job hatte sie auch noch. Sami arbeitete von Deutschland aus im Home-Office für einen der bekanntesten nigerianischen Rechtsanwälte, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, glückliche Europäer endlich zu ihrem wohlverdienten Erbe in seinem Heimatland zu bringen. Die Frau bot sogar von sich aus an, auch etwas für Robbie tun zu wollen, nämlich ihn mit ihrem Chef in Kontakt zu bringen und dann alles zu unternehmen, um seine berechtigten Ansprüche in dem fernen Land durchzusetzen.

Robert hatte keine Ahnung von Nigeria und hatte das Land immer irgendwo in Südamerika verortet. Die Aussicht, bald zusammen mit Sami dort ein schönes Haus, reichlich Grund und eine große Herde Flusspferde zu besitzen, war allerdings viel zu verlockend, um sich mit der naheliegenden Frage zu beschäftigen, welcher Verwandter denn je in diesem Land verweilt hatte, beziehungsweise ausgerechnet ihm etwas vermacht haben könnte. Hier waren wir auch schon bei Robbies drittem Problem: Er war nicht nur ein schlechter Liebhaber und ein echtes Arschloch, nein, er war auch noch sagenhaft dumm.

Natürlich ahnte Robert nichts von dieser unglücklichen Verkettung seiner drei Probleme und sah dagegen nur eines: Die 2.000,– Euro Bearbeitungsgebühr für den Rechtsanwalt in Nigeria (Sami: „Zum Freundschaftspreis, immerhin möchte ich dich ja bald heiraten!“), die hatte er leider nicht ganz flüssig. Eigentlich war er sogar knietief im Dispo. Und so erinnerte er sich an seinen alten (und einzigen) Freund Klaus-Dieter, der im Ruf stand, immer mal paar Euro locker zu haben. Dem schilderte er seinen Fall („Ein narrensicheres Erbe von meinem Onkel Ernst …“), übertrieb dabei geringfügig („Flusspferde, soweit das Auge reicht auf meiner Ranch in Südamerika …“), um schließlich ein bisschen den Boden der Wahrheit zu verlassen („Mit dem Geld kaufe ich mir ein Ticket in meine neue Heimat und lebe dort glücklich bis zum Ende meiner Tage! Und du kannst drüben eine Wohnung im Gesindehaus für lau haben.“).

Argentinien. Das Land des Tango, der mittelmäßigen Literatur und der Flusspferde

Schon am nächsten Tag war Klaus-Dieter unterwegs zu Remmo, dem Hai. Dieser hatte einen kleinen Laden für gebrauchte FFP2-Masken in der Innenstadt und war als Geldverleiher mit ziemlich extremen Konditionen bekannt. Er brauchte sowieso für sich etwas Geld, wollte dem Freund helfen und lieh sich vom Hai schließlich 3.000,– Euro, nachdem auch er die Wahrheit ein wenig verbogen hatte („Mir gehört jetzt drüben in Argentinien eine Flusspferdschlachtanlage mit zweitausend Beschäftigten, zum Monatsende erhalte ich die erste Rendite und brauche bis dahin etwas Klimpergeld …“).

Dayo, der kräftige nigerianische „Leibwächter“ des Hais, hatte diese gewagten Aussagen mit wie stets unbewegter Miene verfolgt und sich Wohnort und Namen des Freundes von Robert eingeprägt. Abends erzählte er seiner Freundin Sami in der gemeinsamen Wohnung von dem erstaunlichen Besucher und machte ihr in diesem Zusammenhang heftige Vorwürfe: „Du verschwendest deine Zeit mit diesem Idioten von Robbie, der von 2.000,– Euro wohl nur träumen kann und uns nicht weiterbringt. Dabei könntest Du ganz leicht einen anderen, richtig fetten Fisch an den Haken nehmen …“

Und so kam es, daß Roberts Freund Klaus-Dieter schon bald nähere Bekanntschaft mit der reizenden Sami machte, während er selbst nie wieder irgendetwas von dieser hören sollte.

Was lernen wir aus der Geschichte? Wenn Du ein Arschloch bist, dumm und ein schlechter Liebhaber (wie Robert), dann verlierst du am Ende beides: Die schöne Frau und das fette Erbe. Bist Du dagegen zwar dumm wie Brot, aber ein guter und treuer Freund (wie Klaus-Dieter), wird dir alles auf dem Silbertablett präsentiert: Die Frau und das Geld. Und natürlich die Flusspferde.