EILMELDUNG: Bundeskanzler Friedrich Merz erscheint trotz Fieber, Husten und belegter Stimme im Kanzleramt!
Auf die Frage, warum er sich nicht einfach krankschreiben ließ, antwortet sein Sprecher: „Das wollte der Kanzler selbstverständlich. Schließlich soll ja jeder Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Das Problem war nur: Er bekam keinen Hausarzttermin.“
Die Hausarztpraxis verwies auf die übernächste Woche. Die Online-Terminvergabe meldete: „Derzeit sind keine Termine verfügbar.“ Die Videosprechstunde war ausgebucht, und am Telefon lief nach 38 Minuten Warteschleife die Ansage: „Bitte versuchen Sie es später erneut.“
Also macht der Kanzler jetzt das, was Millionen Beschäftigte tun müssen, wenn Theorie auf Wirklichkeit trifft: Krank zur Arbeit erscheinen.

Bei Dr. Müller in Berlin-Mitte geht leider erstmal gar nichts
Früher hätte man für solche Fälle bis zu drei Karenztage gehabt: Zu Hause bleiben, niemanden anstecken, auskurieren und – wenn die Erkrankung länger dauert – anschließend zum Arzt.
Doch diese Möglichkeit gilt inzwischen manchen als zu missbrauchsanfällig. Deshalb fährt der Kanzler heute pflichtbewusst hustend ins Büro, schüttelt Hände, nimmt an Besprechungen teil und demonstriert unfreiwillig, wie man aus einer Erkältung ein Gemeinschaftsprojekt macht.
Nun sitzt er hustend in Besprechungen, niest in Kabinettssitzungen und verteilt – völlig unfreiwillig – nicht nur politische Ideen, sondern möglicherweise auch Viren im Kanzleramt.
Die Mitarbeitenden im Kanzleramt zeigen Verständnis – allerdings aus sicherer Entfernung. Einige tragen vorsorglich Maske, andere öffnen die Fenster, wieder andere rechnen schon aus, wie lange die Wartezeit auf einen Hausarzttermin wohl ist, wenn sie sich in zwei Tagen ebenfalls angesteckt haben.

Bei Frau Dr. Werner in Hellersdorf kriegt man vielleicht im Oktober wieder einen Termin
Aus dem Kanzleramt heißt es, man arbeite bereits an einer Lösung. Im Gespräch seien zusätzliche Hausärzte, ein Sonderbeauftragter für Krankschreibungen und eine Taskforce gegen überfüllte Wartezimmer. Alternativ werde geprüft, ob politische Forderungen künftig einem Praxistest unterzogen werden, bevor sie öffentlich verkündet werden.
Immerhin liefert der Praxistest interessante Erkenntnisse:
- Ohne Karenztag gehen mehr Menschen krank zur Arbeit.
- Ohne kurzfristige Arzttermine wird die Krankschreibung am ersten Tag schnell zur Theorie.
- Und wenn dadurch mehrere Kolleginnen und Kollegen ausfallen, ist dem Missbrauch zwar vorgebeugt, der Grippe allerdings nicht.
Vielleicht war der Karenztag doch nicht nur ein Ausdruck von Vertrauen, sondern auch eine pragmatische Lösung: Wer sich am ersten Krankheitstag zu Hause auskuriert, steckt keine Kolleginnen und Kollegen an, blockiert nicht unnötig die Arztpraxen und geht nur dann zum Arzt, wenn die Erkrankung tatsächlich länger anhält.
Manchmal erkennt man den Sinn einer Regel erst, wenn man sie abschaffen oder verschärfen möchte. Außer man ist Vollblut-Politiker, dann braucht es keine Erkenntnisse.