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Beschäftigte brauchen in Zukunft ab dem ersten Krankheitstag ein persönliches Attest von Friedrich Merz

Veröffentlicht von El Blindo am

Berlin (dpoi) – Die Bundesregierung macht Ernst mit der Bekämpfung des grassierenden „Spätrömischen Arbeitsunlust-Syndroms“. Weil die Wirtschaft schwächelt und der Krankenstand ein historisches Hoch erreicht hat, greift der Kanzler nun selbst zum Stethoskop: Ein neuer Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Krankschreibung ab dem ersten Fehltag nur noch nach einer persönlichen Begutachtung durch Friedrich Merz Gültigkeit besitzt.

Der gelbe Schein hat ausgedient, es lebe das „Präsidial-Attest“. Nach wochenlangen Diskussionen über die vermeintliche Faulheit der deutschen Arbeitnehmer präsentiert das Kanzleramt die ultimative Lösung zur Senkung der Krankheitsquote. Um „Missbrauch von vornherein die ökonomische Grundlage zu entziehen“, wird das Verfahren radikal zentralisiert. Wer morgens mit Fieber, Magen-Darm oder einem Hexenschuss aufwacht, wählt künftig nicht mehr die Nummer des Hausarztes, sondern direkt die Hotline der Bundeskanzler-Visite.

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„Es kann nicht sein, dass sich Arbeitnehmer einfach so, ohne jede Gegenleistung für das Bruttosozialprodukt, ins Bett legen“, ließ das Bundeswirtschaftsministerium verlauten. Die bisherige Praxis, Ärzten blind zu vertrauen, habe zu einer gefährlichen Wohlfühlatmosphäre geführt. „Ärzte neigen aus Humanität dazu, Menschen gesundzupflegen. Herr Merz blickt stattdessen mit messerscharfem Auge auf den Organismus. Er sieht keine Patienten, er sieht ungenutztes Humankapital.“

Der logistische Ablauf des neuen Verfahrens ist dabei denkbar effizient gestaltet. Der Bundeskanzler wird ab sofort jeden Morgen zwischen 04:30 Uhr und 08:30 Uhr im Lagezentrum des Kanzleramts digitale Audienzen abhalten. Patienten müssen via Regierungs-App nachweisen, dass ihre Körpertemperatur mindestens 39,8 Grad beträgt oder ein Gliedmaß sichtbar abgetrennt ist. Erst dann wird ein Slot für das dreiminütige Kanzler-Triage-Gespräch via verschlüsseltem Videocall freigeschaltet.

Auf einem riesigen Monitor-Wall werden die kränkelnden Untertanen im Sekundentakt durchgewinkt. Ein Husten? „Nur mangelnde Atemdisziplin, nehmen Sie eine Pastille und gehen Sie ans Band.“ Eine Migräne? „Ein Luxusproblem der inneren Einstellung. Ich hatte auch schon Kopfschmerzen und habe trotzdem den Mittelstand gerettet.“

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Besondere Härtefälle – etwa akuter Blinddarmdurchbruch oder Koma – dürfen nach vorheriger Genehmigung des Finanzministeriums auch schriftlich eingereicht werden. Allerdings muss dem Antrag eine eidesstattliche Erklärung beigefügt werden, dass der komatöse Zustand nicht zur Erholung genutzt wird, sondern aktiv über die Sanierung des Haushalts nachgedacht wird.

Kritik von Gewerkschaften, das Kanzleramt sei medizinisch nicht qualifiziert, weist die Union entschieden zurück. Friedrich Merz besitze schließlich die wichtigste Qualifikation für die Beurteilung von Krankheiten: Er ist privatversichert und besitzt ein eigenes Flugzeug. Wer ein Flugzeug steuern kann, kann auch den Puls der Wirtschaft fühlen.

„Wenn ich im Cockpit sitze und ein Triebwerk hustet, sage ich auch nicht: ‚Wir landen jetzt und ruhen uns aus’“, erklärte Merz in einer internen Videobotschaft an die Fraktion. „Nein, ich gebe mehr Gas! Und genau das erwarte ich auch von einer Pflegekraft mit Bandscheibenvorfall. Ein bisschen mehr Leistungsbereitschaft, dann rutscht die Bandscheibe von ganz alleine wieder dorthin, wo sie hingehört – in den Dienst der Allgemeinheit.“

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Für chronisch Kranke und Langzeitpatienten ist zudem ein Bonussystem geplant. Wer trotz nachgewiesener Lungenentzündung die Nachtschicht in der Automobilzulieferung übernimmt, erhält einen handsignierten Kugelschreiber aus dem Kanzleramt sowie die Erlaubnis, im Jahr 2045 drei Tage früher in Rente zu gehen.

Wer hingegen wegen eines „banalen Schnupfens“ zu Hause bleibt, muss mit empfindlichen Kürzungen des Urlaubsanspruchs sowie einer wöchentlichen Kontrollvisite rechnen. Friedrich Merz wird dann im Tweed-Sakko am Bett stehen und enttäuscht den Kopf schütteln, bis der Patient freiwillig die Decke wegwirft und zur Arbeit eilt. Die Wirtschaft atmet auf. Der Patient atmet flach.