Bürgercafé Markscheid bietet Safespace für SPD-Wähler
Markscheid (dpoi) – Gute Nachrichten für alle Sozialdemokraten, die sich in freier Wildbahn inzwischen nur noch vorsichtig bewegen: Das Bürgercafé Markscheid richtet ab sofort jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr einen speziellen Safespace für SPD-Wähler ein.
„Wir haben festgestellt, dass sich viele SPD-Anhänger mittlerweile nicht mehr trauen, ihre politische Überzeugung öffentlich zu zeigen“, erklärt Caféleiterin Hilde Hupf. „Manche bestellen ihren Kaffee bereits mit einem verschämten ‚Einmal schwarz, bitte‘, damit niemand auf die Idee kommt, sie könnten Sozialdemokraten sein.“

Hier dürfen die letzten Sozis einfach mal ihre Gefühle rauslassen
Im geschützten Bereich gelten daher besondere Regeln. Keine Wahlumfragen, keine Friedrich-Merz-Imitationen und vor allem keine Fragen nach den aktuellen Umfragewerten. Auch das Wort „Koalitionspartner“ soll möglichst vermieden werden.
Für besonders sensible Besucher stehen Decken, Wärmflaschen und beruhigender Kamillentee bereit. Auf Wunsch kann außerdem ein geschulter Mitarbeiter daneben sitzen und mehrfach versichern:
„Nein, nein, 9,3 Prozent sind gar nicht so schlecht. Das ist bestimmt nur eine Momentaufnahme.“
Höhepunkt des Nachmittags ist die sogenannte „Erzählrunde zur guten alten Zeit“. Dabei dürfen Teilnehmer ungestört von Zeiten berichten, in denen die SPD noch hohe zweistellige Wahlergebnisse erzielte und man auf Parteiveranstaltungen nicht erklären musste, warum man eigentlich noch SPD wählt.

Jochen (64; früher Studienrat) war mal so stolz auf seine Partei. Heute versteckt er sein Abzeichen unter einem Schal. Auch im Hochsommer
Für Notfälle gibt es einen roten Knopf unter dem Tisch. Bei Betätigung erscheint sofort ein Sozialpädagoge und sagt: „Ihre Gefühle sind vollkommen legitim. Möchten Sie darüber sprechen?“
AfD-, BSW-, CDU- und Grünen-Wähler werden gebeten, während der Öffnungszeiten einen großen Bogen um das Bürgercafé zu machen. Besonders unerwünscht sind Menschen, die den Satz beginnen mit: „Also ich war ja früher mal SPD-Wähler, aber …“
Die Plätze sind begrenzt. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich – ein gültiges Parteibuch jedoch nicht. Ein glaubhaftes Bedauern über die politische Entwicklung der letzten 20 Jahre genügt.
