Das Kanalrattendesaster

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Wie wir alle wissen, bietet Markscheids Untergrund ein ausgezeichnetes Biotop für alle Arten von Existenzen, die es gerne heimlich, dunkel, feucht und schlüpfrig haben. Schon lange gingen Gerüchte herum, die besagten, es gebe da irgendwo in der Kanalisation einen Keller, in dem regelmäßig heimliche, gemeinsame Treffen von Parteifunktionären und -innen aller Parteien stattfinden. Wie wir heute wissen, war das tatsächlich so und ausserdem wissen wir, wie diese Meetings abliefen:

Hier ist alles noch in Ordnung im Reich der Kanalisation

Einig und guter Dinge besoff man sich von links bis rechts und lachte sich die Hucke voll über das dumme Stimmvolk, das sich im Glauben wähnt, eine echte Wahl zu haben. Da wurden dann Scheinprobleme ausgedacht und geplant. Futter für die Presse, die diese News als Skandälchen, Konflikte und Differenzen «offenlegen» konnte. So wurde für Diskussionen in der Bevölkerung gesorgt und der Anschein aufrecht erhalten, es fände ein politischer Prozess der Meinungsbildung statt. Jeder konnte sich so eine Identifikationsfigur aussuchen, eine Parteizugehörigkeit für etwas, gegen etwas, mit etwas, wie auch immer und die Deppen waren wieder für 4 Jahre beschäftigt,  während die geheimen Treffen letztlich dafür sorgten, dass die Maschine geschmiert und alles beim Alten blieb. So konnte der korrupte Gott der Neuzeit – die Babylonier nannten ihn «Mammon» – immer mächtiger werden.

Also, soweit nichts Neues.

Aber kürzlich wurde in Markscheids Kanalisation, wie schon im Januar 2019 in London, ein riesiger Fettberg entdeckt, weil er einen grossen Kanalisationstunnel verstopfte. Die Verstopfung bewirkte einen Rückstau; der Kellertreff der Politiker wurde von der Umwelt abgeschlossen und die Politiker, die gerade wieder einmal tagten, bzw. kellerten, wurden in ihrem Gewölbe eingeschlossen. Leider sind alle Politikerinnen und Politiker, die mit dabei waren, durch dieses tragische Unglück von uns geschwommen.

Wer hätte das gedacht, was so ein Fettpfropf auslösen kann

Lasst uns also kurz innehalten und eine Minute schweigen, trinken und ein stilles Gebet sprechen (“Ähm, wie spricht man still?”; eine Frage der Redaktion). Warum an dieser Stelle über das im Grunde genommen belanglose Ereignis berichtet wird, hat folgenden Grund: Es wurde der Redaktion eine Tonaufnahme zugespielt, die die letzten Minuten der Bedauernswerten festhielt und so der Nachwelt ein lehrreiches Beispiel geben könnte, wie echte, tatkräftige und weise vorausschauende Politiker ein bedrohliches Problem lösen würden.

Die MaM bringt hier nun einige Ausschnitte. Aus Pietätsgründen (ja, diesen Begriff kennen wir auch, Anm. der Red.) werden die Aussagen ohne Namennennung und nur mit der Parteizugehörigkeit zitiert.

Der AfD- Mensch: »He ,Leute, was stinkt hier so, hat es Ausländer hier?«

Der CDU-Mensch: »Nichts, es stinkt nicht, es riecht wie immer. Das muss so sein«

Die AfD Menschin: »Hilfe, das Wasser kommt, der Wasserspiegel steigt, seht ihr das? So kann es nicht weitergehen!«

Die CDU-Menschin: »Ach was, das schaffen wir. Zieht Eure Gummistiefel an! Wir warten ab, bald ist es wieder vorbei.«

Der SPD-Mensch: »Wir sollten eine neue Steuer einführen, eine Hochwasser- und Kanalisationssteuer!«

Der FDP-Mensch: »Nein, lieber nicht, ausser wir nutzen den Ertrag in Investitionen in Geruchsbekämpfungs-, Entsumpfungs- und Geldwaschanlagen.«

Die Grüne Menschin: »Wir haben es doch immer gesagt: Das ist das Ende! Die Flut wird kommen! Das Ende ist nahe!«

Der CSU-Mensch: »Is’ wos?«

Die Linke Menschin: »Lasst uns gemeinsam kämpfen und pumpen, vorwärts, Genossen!«

Der FDP-Mensch: »Mir ist das zu blöd, ich gehe nachhause!«

Der CSU-Mensch: »Prost, Spezis!«

Die SPD-Menschin: »Ja, wenn ihr meint….hats noch Sekt?«

Die CDU-Menschin: »Ach hört doch auf, ist doch alles in Ordnung!«

Hier bricht die Aufnahme mit einem schmatzenden, fast schon klebrig zu nennenden Gurgeln ab. Gerne hätten wir weiter berichtet, da das Problem zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz gelöst war, aber da gibts nichts mehr. Schade.