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Der Menschenfresser im Fickwalder Forst

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Knöllenbecks Fall #24 Teil 1

Nach Kommissar Knöllenbecks wundersamer Heilung von seiner Schmutz- und Stinkphase pendelte sich das beschauliche Beamtenleben im Kriminalkommissariat allmählich wieder ein. Knöllenbeck wurde wieder kontaktiert – wegen Wichtigem und auch Unwichtigem. Seine Assistentin Fräulein Jacqueline Freudenreich (29) brachte wie früher Kaffee ins Dienstzimmer,  so dass gelegentliche kurze physikalisch-kriminalistische Fachgespräche bald erneut zum Alltag gehörten. Auch Hausmeister Krawutke (63) war wieder auffindbar, wenn es beim Kommissar irgendwo klemmte. Frau Fitze (59), Sekretärin, die mit Adleraugen den gesamten Betrieb überwachte, schien auch etwas besser gelaunt zu sein; sie hatte aufgehört, demonstrativ auf die Uhr zu schauen, wenn Knöllenbeck zur Arbeit erschien. Kurz: Der kriminelle Alltag kehrte zurück.

Am Mittwoch, dem 27. wurde Frau Lynn Hopfer- Wadenreich, die grüne Politikerin, von ihrer Frau als vermisst gemeldet. Sie hatte sich am 25. zum Pilzsammeln und Rekognoszieren von irgendwelchen ökologischen Befindlichkeiten in den Forst begeben und war nicht mehr zurückgekehrt. Es fehlte jede Spur von ihr. 

Knöllenbeck, der wie immer praktisch dachte, empfahl, sie doch einfach mal anzurufen und sich nach ihrem Verbleib zu erkundigen. Das wurde gemacht. Allerdings befand sich das Mobiltelefon der Politikerin im Einkaufsjutesack, der zuhause an der Garderobe hing.

Also wurden Spürhunde und Suchtrupps eingesetzt.

Und siehe da: Unweit der Stelle, wo einst Koukol, der frühere Assistent des Kommissars, so tragisch ums Leben gekommen war*, fand man fleischliche Überreste, einen weiblichen Rumpf, ein halbes Bein etc. und auch abgenagte Knochen, die laut den Spürhunden nach Frau Hopfer rochen.

Einiges fehlte,  z.B. der Kopf, allerdings war der Unterkiefer zugegen,  so dass die Identifizierung gesichert war. Es war Frau Hopfer, bzw. deren Reste. Biss- und Kratzspuren an den Knochen sowie die tiefen Gewebsschädigungen liessen auf ein grösseres Tier mit Reisszähnen schliessen. Die Kriminalassistentin Fräulein Jacqueline Freudenreich kotzte ins nächste Gebüsch. Dann sagte sie: „Um einen menschlichen, grossen Röhrenknochen so zu zermalmen, braucht es eine Beisskraft von mindestens 875 Newton pro Quadratzentimeter. “

Halber Schädel irgendeines Pflanzenfressers auf irgendeinem Erlenast in irgendeinem Forst

Dr. Scheider, der herbeigerufen wurde, konnte also nur noch den Tod feststellen. Auch er war etwas grün um die Nase, als er seine Befunde beschrieb und sagte: „Das Fehlen wichtiger Organe und Körperteile schliesst das Weiterleben des hier nicht vorhandenen Rests von Frau Hopfer eindeutig aus! Im Standardwerk über den kriminellen Kannibalismus des 19. Jahrhunderts, das vom Engländer Sir Julius Clemens Poundergulpy verfasst wurde, ist schon eindeutig nachgewiesen, dass bereits ab 20% verzehrter, weicher Körpermasse ein Weiterleben kaum mehr möglich ist. Ich werde also die Leichenreste im Labor untersuchen und kann dann vermutlich schon sagen, welche Art von Carnivore hier am Werk war.“

Knöllenbeck war beeindruckt vom profunden Fachwissen des Amtsarztes und von dessen eleganter, lässiger Art, Fremdwörter so selbstverständlich in seine Sätze zu inkrementieren. Er freute sich; Die Festnahme des Täters war also nur noch eine Frage von kurzer Zeit. Er hiess den Hundeführer, die Hunde nach weiteren verdächtigen Spuren suchen zu lassen und begab sich dann zurück aufs Revier, um nachzudenken.

Fortsetzung folgt

*Siehe https://markscheid.com/koukols-ende