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Die Invasion der Killerflöten

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Seit mindestens 150 Jahren wird in den Schulen weit herum die Blockflöte als Instrument des Terrors und als Waffe eingesetzt.

Berühmte Beispiele aus der Literatur und Musikgeschichte sind der „Rattenfänger von Hameln“ und Mozarts „Zauberflöte“. Während letztere als Mittel zur feindlichen Übernahme von Frauenherzen konzipiert war, setzte der Rattenfänger von Hameln die Flöte zur Bekämpfung von Ratten, Kindern und anderen Schädlingen ein. In Russland wurde die Blockflöte weiterentwickelt und technisch so aufgerüstet, bis sie als Stalinorgel – von den Russen zärtlich „Katjuscha“ genannt – die Angreifer das Fürchten lehrte.

Der berühmte Flötenvirtuose von Hameln

Technisch ist die Urblockföte eher einfach konstruiert: Als röhrenartige Verlängerung der menschlichen Mundöffnung dient sie vorwiegend der Kanalisierung von Speichel und da die Atemluft mittels eines einfachen Spalts in Schwingung versetzt wird, entstehen hohe schrille Töne, den Brunstlauten vermehrungswilliger Fledermäuse nicht unähnlich. Da das Instrument meist aus Hartholz angefertigt ist, eignet es sich auch vorzüglich bei Gruppen- oder Einzelstreitigkeiten als schlagkräftige, argumentative Verstärkung. Trotz dieser vorzüglichen Eigenschaften blieb der Erfolg der Blockflöte in Markscheid aus.

Und da der Markscheider der Kultur und der Waffentechnik, wie wir ja wissen, eher ablehnend gegenübersteht, kannte bis zur Fussballweltmeisterschaft in Südafrika kaum ein Markscheider dieses vielseitig verwendbare Instrument.

Dies änderte sich, als in ebendiesem Jahr einige wenige  Markscheider den Weg nach Südafrika schafften (die meisten Markscheider Fussballfans waren ans Kap Hoorn gereist und standen dann dort etwas ratlos herum, weil das Markscheider Reisebüro „Globetröter“ die Weltmeisterschaft in Südamerika  vermutet hatte. Was nachvollziehbar ist, aber dennoch unverzeihlich. Aber dies ist eine andere Geschichte und hier nicht von weiterem Interesse).

In Südafrika erlebten unsere mutigen Reisenden die einheimischen Blockflöten, dort „Vuvuzela“ genannt, live. Sie waren überwältigt von der Ausdrucksfähigkeit und einfachen Genialität dieser Flöte. Durch den Verzicht auf die seitlichen Löcher war es nun möglich, sich mit Hingabe einem einzeln Ton zu widmen und diesem mit viel Puste und Ausdauer Ausdruck zu verleihen. Das begeisterte. So brachten sie einige dieser modifizierten Blockflöten mit nach hause und es begann der Siegeszug der Markscheider Blockflötenkultur.

Zuerst wurde das Schulorchester mit diesen Flöten ausgerüstet, dann der Kirchenchor. Und das war noch nicht alles: Als der Kirchenchor schon 2 Jahre später bereits den asiatischen Wettbewerb für monotonale,  geistliche Blasmusik in der Mongolei überlegen mit 8 Dezibel Vorsprung gewann, wurde Markscheids Stadtverwaltung auch auf dieses neuartige Instrument aufmerksam und erhob die Blockflöte offiziell zu Markscheids Wappeninstrument.

Die ersten dokumentierten Vuvuzelas, hier von geflügelten, blonden Südafrikanern unbestimmten Geschlechts gespielt; vermutlich aus der Zeit der Apartheid

Viele klassische Kompositionen wurden auf Markscheider Art für die nun heimische Blockflöte umgeschrieben. Besondere Beachtung fand Tschaikowskis Klavierkonzert Nr.1 in b-Moll, dessen Uraufführung für die Jungsolistin Ludmilla Crohn-Corque, einer Tochter der verehrten Stadtpräsidentin, der Start für eine traumhafte Karriere wurde. Man vermutet, dass LCC, wie sie heute schon anerkennend genannt wird, nächstens mit Helene Fischer ein Album aufnehmen wird. Die Musikfachwelt ist gespannt; erwartet man doch eine geniale Verknüpfung von Fischers tiefgründigen Texten mit der Komplexität und Brillianz von LCCs Flötenspiel.

Und seit die Fahrradabteilung der Markscheider Verkehrspolizei mit diesem Instrument ausgestattet ist, gingen die Fälle von Verkehrsdelikten in der Fussgängerzone markant zurück. Wird einem Fussgänger, der seine Maut nicht bezahlt hat, oder einen Fahrradfahrer, der beispielsweise von einem gelungenen Banküberfall flüchtet, oder der gerade auf einem Gehsteig eine Oma umgefahren hat, mit der Mehrzweckflöte hinterhergetrötet, bleiben die Angeblasenen jeweils in Schockstarre gelähmt stehen – Fahrradfahrer fallen natürlich um, wenn sie bewegungslos stehenbleiben, aber das wissen die meisten Leser schon –  und können dann in Gewahrsam genommen werden. So hat dieses unentbehrliche Allzweckinstrument innerhalb weniger Jahre aus der Anonymität heraus den Weg zu einem Symbol für Markscheider Kultur geschafft.

Dass die Fraktionen in Markscheid dem Tröten positiv entgegen stehen, resultiert in deren neuem Spitznamen: Den Blockflöten.

Kategorien: Kultur