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Garantiebestimmungen, ein Kuriosum aus den Traktanden des Stadtrates

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Edi „Bleifuss“ Blitzer, der schlaue Stadtrat mit Volksanschluss, hat bei der letzten Versammlung im Rat neue Ideen zur Gewinnoptimierung vorgebracht. Dieses Mal betraf es den Bereich Gesetzgebung zur Mobilität und Energie. Durch eine nicht genannt sein wollende Quelle wurde die MamM davon unterrichtet und natürlich wollen wir damit nicht hinter dem Berg halten. Also, es geht um Folgendes:

Da die Markscheider Automobilindustrie durch die Entwicklung der letzten Jahre völlig überrascht wurde – wer hätte auch gedacht, dass Ampère und Kilowatt dereinst so dominant werden würden – war sie gezwungen, halbfertige, nicht zu ende gedachte Produkte unter die Leute zu bringen und bei den Verbrauchsangaben noch mehr als sonst zu lügen, um mit der fernöstlichen und amerikanischen Konkurrenz mitzuhalten zu können. Und bevor die Frage abschliessend geklärt ist, woher der Strom aus der Steckdose eigentlich kommen wird, wenn alle elektrisch unterwegs sein werden, kam es zu folgenden interessanten Vorschlägen:

Der schlaue Edi, der wie immer mit- und vorausschauend denkt, hat nun vorgeschlagen, die Gesetzeslage dahingehend zu ändern, dass nicht jeder unzufriedene Depp mit ungerechtfertigten Garantieansprüchen gleich vor Gericht gehen kann. So würde sicher die Automobilindustrie auch in Markscheid weitere Produktionsstätten bauen. Und damit das Offensichtliche nicht allzu offensichtlich ist, schlägt er folgende neue Empfehlungen für  die Garantiehaftung vor:

  1. Wer die Wartungsintervalle vernachlässigt, solle mit Rabatten beim Neukauf eines Autos belohnt werden, weil der Kunde mit seinem Verhalten genügend Vertrauen in die Qualität seines Markenproduktes bewiesen habe.
  2. Das geplante Einführen einer automatischen Motorenabschaltung bei Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit lehne er allerdings ab, da damit die Lebensdauer der Motoren verkürzt werde. (Der Schlaumeier, Anm. der Redaktion)
  3. Da die Autoelektronik softwaregesteuert ist, empfiehlt er, häufigere Updates mit neuen und unverzichtbaren Schmankerln zur Pflicht zu machen. So könnten z.B. die gespeicherten Hirnstromkurven von berühmten Rennfahrern ins Motorsteuergerät implementiert werden. Und da nur lizenzierte Markenwerkstätten über das teure, elektronische Equipment verfügen, diese Updates auch aufzuspielen, würden die Kleinbetriebe bald klein beigeben und ihre Kunden an die lizenzberechtigen grossen Händler und Reparaturwerkstätten abgeben müssen. Und da ein Steuergerät, das Brain eines jeden neuen Motors, das nicht die neuesten Updates erhalten hat, die Garantieansprüche nicht mehr erfüllt, kann bei defekten Motoren kein Garantieanspruch mehr erhoben werden.
  4. Edi schlug des Weiteren auch vor, man müsse sich mit den sogenannten „Sollbruchstellen“ – ein früher häufig verwendeter Begriff bei technischen Geräten – ruhig ein wenig mehr befassen. Schliesslich sei es nicht im Interesse des Kapitalflows, wenn Kreti und Pleti mit Automobilen herumkutschieren würden, die eigentlich längst ins Museum gehörten, d.h. älter als 3 Jahre seien. Jedes Gefährt, das seinen Dienst aufgebe und verschrottet oder repariert werden müsse, schaffe Arbeitsplätze und spare Energie.

Edi Blitzer hatte sich in richtige Begeisterung hineingesteigert und wie immer liess er am Schluss seiner Argumentationen  einen Böller zur Bekräftigung detonieren.

Hier einer jener Argumentationsbekräftiger, die Edi Blitzer jeweils nach einem besonders guten Votum im Stadtrat fahren lässt

Er selber sei durchaus bereit, bei einem allfälligen, zukünftigen Verwaltungsratsposten mit aller Kraft für diese gewinnbringenden Innovationen zu kämpfen, fügte er nach dem Verhallen des Böllers noch hinzu (was allerdings kaum jemand hören konnte, weil alle noch taub waren. Anm. der Red.).
Frau Crohn-Corque, unsere tüchtige und geschätzte Bürgermeisterin mit Grosskonzernanschluss hat allerdings auf Edi Blitzers Vorschläge erstaunlich kühl und ablehnend reagiert. Sie meinte bloss, er solle nicht den Ratsbetrieb mit Vorstössen aufhalten, die längst Realität seien… Und ausserdem fände sie es nicht hilfreich, wenn er mögliche Geschäftsgeheimnisse hier breitschlage, wo doch die Automobilindustrie ohnehin schon ein Reputationsproblem habe.