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Nach nur 973 Jahren Bauzeit: Markscheider Dom fast fertig

Veröffentlicht von Anonymus I. am

In wenigen Wochen soll es endlich soweit sein, dann soll Erzbischof Sigismund Poppenstihl das neue Wahrzeichen unserer Stadt, den Dom zu Markscheid, nach einer nur 973jährigen Bauzeit einweihen und ihn feierlich auf den Namen „Sankt Theophrastus Kathedrale“ taufen. Anlässlich dieses wohl grössten Ereignisses in der langen Geschichte unserer Heimatstadt hat die Markscheider Historische Gesellschaft nun noch einmal alle wichtigen Etappen seiner Baugeschichte zusammengetragen.

Wir erinnern uns: Der Legende nach legte im Jahre 1043 der Wanderprediger Theophrastus Laberviel den Grundstein für das Bauwerk, als er in dem damals noch unbedeutenden Flecken Maakschiet das Schlagloch in der Landstrasse, durch welches ihm wie aus heiterem Himmel die Achse seines Ochsenkarrens brach, mit einer am Wegesrand liegenden Steinplatte füllte. Bruder Theophrastus sah dies als Zeichen des HERRN, den maakschieter Heiden an Ort und Stelle das Wort Gottes zu predigen und siehe da, es dauerte nicht lange und die Maakschieter trugen von nah und fern grosse Steine, die sie beim Pflügen auf ihren Äckern gefunden hatten, herbei. Schon bald bildete sich daraus ein riesiger Haufen, der die maakschieter Landstrasse und alle Schlaglöcher darin unter sich begrub, so dass Raugraf Ottokar der Gnädige sich genötigt sah, Bruder Theophrastus ob dieses groben Unfuges auf der Stelle hängen zu lassen und so ruhten für die nächsten 286 Jahre die Arbeiten am Dom.

Erst im Jahre 1329 gelang es dem Bürgermeister des Ortes, der inzwischen als Markscheyd die Stadtrechte erworben hatte und zudem nun im Besitz eines mächtig angewachsenen Steinhaufens mitten auf der Hauptstrasse war, einen neuen Architekten für den Weiterbau anzuwerben. Der durchreisende lombardische Spielmann Bernardo, der wegen eines in den Chroniken nicht näher erläuterten Vorfalls mit einer Ziege Gast der Verliese des Stadtkerkers war, nahm das Angebot des Rates an, statt eines kurzen Gastspiels am städtischen Galgen lieber den längerfristigen Auftrag als Baumeister für den Bau der Kathedrale zu übernehmen. Als erstes liess Dombaumeister Bernardo bis 1364 das prächtige Dombauhüttenplanungspalazzo am Stadtrand bauen, in dem heute das Gästehaus der Stadtverwaltung untergebracht ist (noch heute können die Gäste unserer Bürgermeisterin dort den luxuriösen dreischiffigen Ziegenstall bewundern, in dem der Meister leider viel zu früh im Jahre 1365 an einem Herzanfall verstarb). Da der Bau des Domhüttenplanungsbüros die Geldmittel der Stadt erschöpft hatte und sich auf die Schnelle auch kein neuer Architekt einfangen liess, ruhte der Dombau zu Markscheyd noch einmal für 157 Jahre.

Natürlich wurde während dieser Zeit in Markscheyd viel gebaut, so entstand unter Anderem auch die 6 Kilometer lange „Grosse Stadtmauer“, für die auf Befehl des Papstes Hereticus XIII. aber keine der für den Bau der Kathedrale vorgesehenen Steine, die im Markscheyder Land bereits als eine weithin sichtbare Landmarke galten, verwendet werden durften. Ein Glücksfall, denn wie durch ein Wunder konnten sich bei der grossen Feuersbrunst des Jahres 1486 nicht nur viele der markscheyder Bürger auf dem inzwischen als „Mons Theophrastus“ bekannten Hügel vor den Flammen retten, diese Rettung trug Bruder Theophrastus auch posthum die Heiligsprechung als christlicher Märtyrer ein. Im Zuge der nun folgenden Wiederaufbaumassnahmen Markscheyds entstand in den nächsten Jahrzehnten um den gewaltigen Steinhaufen des Doms, der Dank üppiger Steinspenden aus den nahe der Stadt gelegenen Äckern durch die dankbaren überlebenden Bürger Markscheyds bis 1546 weiter gewachsen war, ein Rundwanderweg, der in dieser Zeit mehrfach verlängert werden musste. Da Michelangelo Buonarroti 1547 das Angebot des markscheyder Stadtrates, die Leitung der Dombauhütte zu übernehmen, zu seinem grössten Bedauern wegen Terminschwierigkeiten ablehnen musste, gerieten die Arbeiten ins Stocken und ruhten abermals für die nächsten 386 Jahre.

Kein schönerer Dom in dieser Zeit, als unser Markscheider, weit und breit …

Einen nennenswerten Fortschritt auf der Dombaustelle gab es erst 1933 wieder. Der als Kandidat der von ihm gegründeten NSMAP in diesem Jahr zum Bürgermeister gewählte Julius Schleifer beschlagnahmte als erste Amtshandlung den inzwischen 450 Meter hohen „Mons Theophrastus“, er liess ihn komplett abtragen und mit den in Jahrhunderten von frommen markscheider Gläubigen gespendeten Steinen die von ihm visionär geplante markscheider Autobahn M1 pflastern. Durch reinen Zufall fand einer der Bauarbeiter dabei auch den sagenumwobenen Grundstein des Doms wieder, er ist heute das Prunkstück der Steinsammlung des Heimatkundemuseums Markscheid. Schleifers Autobahnprojekt scheiterte, wegen politischer Differenzen mit der NSDAP Parteizentrale wurde die M1 weder an das Strassen- noch an das Reichsautobahnnetz angeschlossen, heute ist sie die als MAVUS weltberühmte markscheider Teststrecke für die Neuentwicklungen von Tagebaubaggern und Pionierpanzern.

Bedingt durch den 2. Weltkrieg und die daran anschliessende Nachkriegszeit fanden vorerst keine weiteren Baumassnahmen mehr an der Kathedrale statt, erst im Jahr 2016 erhielt das ortsansässige Bauunternehmen „Öztürk & Söhne, Hoch- und Tiefbau, Installationen aller Art GmbH & Co. KG“ den Zuschlag für die endgültige Fertigstellung des Markscheider Doms. Und der neue Dombaumeister Mehmet Öztürk lieferte ein Meisterstück der zeitgenössischen Sakralarchitektur ab, die grosse Kuppel der Kathedrale überragt weithin sichtbar die Innenstadt während sich an ihren Ecken vier schlanke schneeweisse Glockentürme mit filigranen Spitzen gen Himmel strecken. Bemerkenswerterweise verzichtete der Meister darin völlig auf die sonst üblichen Kirchenglocken, stattdessen weist jeder der Türme unter der Spitze drei elegant geschwungene moderne Hochleistungslautsprecher auf die, wie Meister Öztürk versichert, den Klang der Stimme Gottes wie Donnerhall über die ganze Stadt hinwegschallen lassen werden.

Kategorien: GeschichteKultur