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Niedersachsen geht jetzt noch einen Schritt weiter und schafft die Schule ganz ab

Veröffentlicht von El Blindo am

HANNOVER (dpoi): Es begann als pädagogische Entschlackungskur und endete in der totalen Bildungsfreiheit. Nachdem das Kultusministerium in einem ersten, zaghaften Schritt beschlossen hatte, das Dividieren massiv zu vereinfachen, folgte heute der ganz große Paukenschlag: Niedersachsen schafft die Schule als Konzept einfach komplett ab.

Eigentlich wollte man nur den Stress aus den Grundschulen nehmen. Unter dem Arbeitstitel „Teilen ohne Tränen“ hatte das Ministerium unlängst verkündet, dass schriftliches Dividieren künftig in Grundschulen nur noch auf freiwilliger Basis und bei „besonderem Interesse an antiken Kulturtechniken“ gelehrt werden solle.

„Das Aufteilen von Zahlen durch andere Zahlen hat in der Vergangenheit oft zu Frust und sozialer Ausgrenzung geführt“, erklärte ein Sprecher. Die neue Richtlinie sah vor, dass Ergebnisse künftig „gefühlt“ werden dürfen. Wer 100 durch 4 teilt und „ungefähr 10“ herausbekommt, sollte für den kreativen Ansatz bereits die volle Punktzahl erhalten. „Mathe darf kein Spaltpilz sein“, hieß es aus Hannover. Doch kaum war die Division vereinfacht, stellte man fest: Wenn man schon beim Rechnen aufhört, genau hinzusehen, warum dann beim Rest weitermachen?

„Schule“ – ein Konzept von vorgestern

Kultusministerin Julia Nullenburger verkündete daher heute Morgen den finalen Befreiungsschlag: „Wir hören auf zu simulieren. Die Schule wird mit sofortiger Wirkung abgeschafft. Wenn wir schon nicht mehr richtig teilen können, dann teilen wir eben die gesamte Schullandschaft auf. Und zwar durch Null.“

Was wie eine Kapitulation vor dem Fachkräftemangel klingt, wird im Ministerium als „ganzheitliches Entlastungskonzept“ gefeiert. „Wir haben alles versucht“, erklärt ein Referent, während er einen Stapel ungelöster Mathe-Hausaufgaben in den Schredder schiebt. „Wir haben die Digitalisierung durch das Verteilen von drei iPads pro Landkreis simuliert und so getan, als seien Quereinsteiger mit einem Wochenendkurs in Blockflöte vollwertige Pädagoge. Aber das Kernproblem blieb: Die Kinder mussten immer noch irgendwohin gehen und Dinge wissen.“

Die Reaktion der Elternverbände ist gemischt, tendiert aber zur Erleichterung. „Endlich fällt dieser morgendliche Stress weg, so zu tun, als hätten die Kinder ihre Pausenbrote nicht nur aus Schokoriegeln zusammengestellt“, sagt eine Mutter aus Peine. Zudem plant das Land, die leerstehenden Schulgebäude in lukrative Event-Locations oder Escape-Rooms umzuwandeln, wobei viele Schulen schon jetzt, ganz ohne Umbau, eine perfekte Kulisse für Horrorfilme bieten.

Kritiker bemängeln zwar, dass eine ganze Generation nun ohne grundlegende Lese- und Schreibkenntnisse aufwachsen könnte. Doch das Ministerium winkt ab: „In Zeiten von ChatGPT und Sprachnachrichten ist das Schreiben von Sätzen mit Subjekt, Prädikat und Objekt ohnehin eine nostalgische Liebhaberei, ähnlich wie das Klöppeln oder das Dividieren mit Rest.“