Ostermontagskonzert

Veröffentlicht von Phacops am

(Markscheid, irgendwann + 3) Heute, am dritten Ostertag fand das Eröffnungskonzert der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Markscheider Universität statt, besser bekannt seit Jahr und Tag als „Last night of the E-Proms.“ Wie schon an den 2 Ostertagen zuvor berichten wir live:

Am dritten Tag des musikalischen Armageddons und um die klassische Musik weiter voran zu bringen, verpflichtete die Festspielleitung Sepp Bachl, den zu Recht vergessenen Epigonen der Barockkomponisten. Bachl, der normalerweise unter den Brücken Marscheids sein Dasein fristet und seine Noten vor sich hin düdelt, zelebrierte seine Tokkata mit Fugen, Knöchelverzeichnis 0815a. Ein winziges Kammerjägerensemble begleitete synkopisch die Ausfugung einer übermannshohen Mauer, die in unterschiedlichen Farbvariationen erstrahlte. Das hier und heute zu Gehör  gebrachte Werk vereinigt auf eindrucksvolle Weise die Beanspruchung von Seh-, Hör und Riechorganen. Die Schlusszeile „Rinnen muss der Schweiß, von den Achseln heiß“  beendete nun, untermauert von dem Applaus, die Darbietung.

Als Kontrast schlich das behaarte Quartett „Homo heidelbergensis“ auf die Bühne, mit unsicherem Blick zu einer Videoleinwand mit prähistorischen Malereien. Diese Vertreter der vorzeitlichen Alten Musik trug ihre klassischen Instrumente mit sich. Flöten aus Vogelknochen mit einem zarten Missklang wurden unterstützt durch Trommeln aus bleichen Tierschädeln. Kaum zu hören waren die Schwirrhölzer, die trotzdem mit aller Inbrunst geschwungen wurden. Als einer der Musiker spontan die neu erfundene prähisterische Variante eines Quintenzirkels zum Einsatz bringen wollte, wurde er vom Trommelsolisten, der offensichtlich Neuerungen kritisch sieht, spontan niedergemacht und der Quintenzirkel zertrampelt. Nach dem letzten Grunzen griffen sich die Künstler mehrere weibliche Besucher aus den ersten Reihen, betäubten sie mit ihren Keulen, warfen sie sich über die Schultern und verschwanden hinter der Bühne, von wo rhythmisches Grunzen, Ächzen und Jubilieren einen schönen Abschluss dieses Intermezzos ergaben. Das Bedauern der zurückgebliebenen männlichen Konzertbesucher hielt sich dabei durchaus in Grenzen. Das Gerücht, dass einzelne Gattinnen nach vorne geschoben wurden, entbehren sicherlich jeder Grundlage.

Hier sehen wir die Frühmusiker bei ihrem Auftritt

Als Michael S. Holms den Schlager der – leider viel zu früh verstorbenen – Singersongwriterin Helena Angler „Atemlos durch Markscheid“ vortrug, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Fünf Mal musste der Sänger den Song wiederholen, wobei der Text jedesmal besser wurde, während alle Anwesenden mitsangen. Danach konnte er sich getrost seinen Feierabendbierchen hingeben, da die Zuhörer alleine zurechtkamen. Als es schließlich zwischen dem ersten Rang und der Proszeniumsloge zu einer Unstimmigkeit bezüglich der Wiederholung des Refrains kam, endete dieser Teil des Abends.

Das Finale furioso:

Zu einem flotten „Betonstein und Träger bricht“ der  Acapellogruppe „ponti sbriciolanti“  („zerbröselnde Brücken“) aus Genua zerlegten die Diskutierenden das Opernhaus in durchaus handliche Teile. Damit wird voraussichtlich die nächste „last Night of the D-Proms“ wieder im örtlichen Schwimmbad stattfinden, was zudem den Vorteil böte, den Noten- und Melodiemüll am Ende kostengünstig und rückstandfrei in den Abfluss entsorgen zu können.

Die Verbände der Ohrenärzte und Psychiater haben auch dieses Jahr mit einer großzügigen Spende den Erhalt des überregional bekannten und gefürchteten Festivals unterstützt, wie immer in der guten Hoffnung im Nachgang einen Anstieg der Fallzahlen zu erreichen.

Schöner und schwungvoller hätte das Jubiläumsjahr nicht beginnen können.

Kategorien: Kultur