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Auf der Suche nach außerirdischen Lesbenformen

Veröffentlicht von Hans Wurst am

An der Hochschule Markscheid herrscht Aufbruchsstimmung, und das seit nunmehr sieben Jahren. Was einst als ambitioniertes Forschungsprojekt zur „Astrobiologischen Lebensraumanalyse“ begann, hat sich durch einen kleinen, beinahe niedlichen Tippfehler in ein internationales Prestigeprojekt verwandelt: die systematische Suche nach außerirdischen Lesben.

Alles fing harmlos an. In einem Förderantrag sollte es eigentlich um „Lebensformen“ gehen. Doch irgendwo zwischen dritter Nachtschicht, Kantinenkaffee und verzweifeltem Copy-Paste wurde daraus „Lesbenformen“. Ein Praktikant, dessen Name aus Gründen des Selbstschutzes bis heute geschwärzt ist, klickte auf „Absenden“ – und schrieb damit Hochschulgeschichte.

Die überraschende Wendung: Der Antrag wurde bewilligt. Offenbar hatte niemand den Begriff hinterfragt. Im Gegenteil, die Fördersumme wurde sogar erhöht, nachdem ein Gutachter „den intersektionalen und kosmologischen Mut des Projekts“ lobte.

Überall wird gesucht

Seitdem ist Markscheid führend auf einem Forschungsgebiet, das es eigentlich gar nicht gibt, aber dennoch erstaunlich ernst genommen wird. Jährlich finden Symposien statt wie „Queer Life Beyond Earth“ oder „Lichtjahre der Liebe: Eine galaktische Perspektive“. Internationale Gäste nicken dort wissend, während niemand so genau weiß, worum es eigentlich geht.

Im Keller des Physikgebäudes betreibt ein interdisziplinäres Team aus Astrophysik, Gender Studies und – aus unerklärlichen Gründen – Geologie eine Anlage zur „Detektion sapphischer Signaturen im kosmischen Rauschen“. Bisher ohne Ergebnis, aber mit beeindruckenden PowerPoint-Folien.

Die Pressestelle der Hochschule bleibt derweil gelassen. Man habe „den Begriff bewusst erweitert“, heißt es in einer Stellungnahme. Forschung sei schließlich dynamisch, und wer könne schon ausschließen, dass es irgendwo da draußen nicht doch entsprechende Lesbenformen gebe?

Unter den Studierenden hat sich das Projekt längst zum Kult entwickelt. Der Merch-Shop verkauft T-Shirts mit der Aufschrift „Searching for Love in All the Wrong Galaxies“, und im Sommersemester ist der Wahlkurs „Einführung in die Exo-Sapphologie“ regelmäßig überfüllt.

Und der ursprüngliche Tippfehler? Der ist inzwischen offiziell Teil der Hochschulidentität.