Der letzte Urlaub
Wieder einmal war der beste und einzige Kriminalkommissar Markscheids im Urlaub gewesen. Er hatte sich für die Schweiz entschieden, auch mit dem Hintergedanken, mal das Gelände ein bisschen zu sondieren. Man weiss ja nie, ob man plötzlich in ein Land auswandern möchte, das noch nicht von Bürokratie und staatlichen Parasiten regiert wird. Und gute, motivierte Kriminalisten werden überall gebraucht.
Als er am Morgen nach seinem Urlaub in aller Herrgottsfrühe, also gegen 11:00 Uhr, an seinem Arbeitsplatz erschien, bot er ein sehr trauriges Bild. Den rechten Arm im Gips, ein fast geschlossenes, blaues Auge, die Nase mittig im Gesicht mit Pflastern fixiert, unter der linken Schulter eine Krücke. Also, insgesamt kann man sagen: er strahlte wenig Zuversicht aus und keine Urlaubsfrische.
Der gute Geist am Empfang, Frau Fitze, die Hüterin der verbrannten Arabicamischungen liess Ihre Tasse fallen und stiess einen entsetzten Schrei aus. (Obwohl sie – wie wir wissen – eine praktizierende Kampfsportlerin ist und wohl schon manche Trainingsleiche gesehen hat und somit einiges gewohnt ist.)
„Was ist geschehen?“
„Ich mag nicht darüber reden“, erwiderte Knöllenbeck und humpelte in sein Büro.
Da wir aber unsere 5 Leser nicht im unklaren lassen wollen, kommen wir nicht umhin, einen kleinen Reisebericht über Knöllenbecks Urlaub hier zu bringen.
Knöllenbeck hatte seine Reise am Bodensee begonnen; er hatte schon einiges gehört über Schiffe mit Fondueplausch, mit Swingerpartys oder anderen wertvollen kulturellen Angeboten wie „Schlagerabend auf dem See mit Freddy Silbernagel und den krachledernen Almbuam“ (eine kulturelle Aneignung durch die Bodenseeschiffahrt und ein typischer Unterhaltungsdiebstahl aus der gehobenen bayrischen Musikszene. Weil es in der Schweiz keine Almbuam gibt, höchstens ein Sennentuntschi.).
Und da ein guter Kriminalkommissar aufgrund seines enormen Arbeitsaufwands oft sexuell ein wenig unterbewirtschaftet ist, interessierte er sich natürlich vor allem für diese Swingerpartyschiffe auf dem Bodensee.
Und es dauerte auch nicht lange, da sichtete er das untenstehende Plakat am Wegrand.

Der Schweizerdialekt bietet unerwartete Hürden, auch für gewiefte Kriminalisten
„Also diese Eidgenossen haben es schon faustdick hinter den Ohren, aber sind sprachlich und orthographisch hinter dem Mond“, dachte der Kenner des Fremdwörterlexikons, notierte sich diesen Event und merkte sich, dass „Swingen“ wohl auf Schweizerdeutsch „Schwingen“ ausgesprochen wird. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Mit frisch gewaschenem und gepudertem Gemächt fand er sich in der Warteschlange vor dem Eingang des Partyzelts, in Gedanken bereits orgiastisch und vorfreudig erregt und in der Tasche ein gut ausgewähltes Sortiment von Kondomen, Viagra und ein Fläschchen Poppers. Wir Markscheider wissen natürlich, dass die Kombination dieser Substanzen nicht ungefährlich ist, aber Knöllenbeck war das egal; ihm stand der Sinn nach Adrenalin und Oxytocin.
Und so pirschte er sich im Partyzelt gleich an ein interessantes Paar, sie mit langen roten Haaren, sommersprossig, kurvig, attraktiv, wie Knöllenbeck es liebt. Der Begleiter ein Muskelberg mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf, kurzen Hosen und wohl noch von der letzten Swingeraktion Sägemehl im Haar. Interessante Verkleidung, sehr erotisch, dachte Knöllenbeck. Freudig erregt wandte er sich an das attraktive Paar, griff sich an die Hose, blinzelte und sagte: „Na, wie wärs mit einem gepflegten Dreier, Ihr zwei Hübschen?“ Der Rest ist schnell erzählt: Nasenfraktur, Haarriss in der rechten Speiche und Seitenbandriss des linken Knies, daneben verschiedene Rippenprellungen und Blutergüsse am ganzen Körper.
P.S.: Auswanderungsgedanken vorerst beerdigt
