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„Hello, Germany!“

Veröffentlicht von Hans Wurst am

Nachdem jahrelang Deutsche beim emotionalen Auswandern nach Mallorca, Thailand oder in die komplette Selbstüberschätzung begleitet wurden, dreht RTL2 den Spieß nun um: „Hello, Germany!“ heißt das neue Dokusoap-Format, in dem Einwanderer und Flüchtlinge bei ihrem Einleben in Deutschland begleitet werden.

Das Konzept ist so einfach wie gnadenlos: Menschen aus aller Welt landen am Flughafen Frankfurt, stolpern über einen DB-Streik, verlieren ihr Gepäck im Behördendschungel und lernen innerhalb der ersten 48 Stunden die drei wichtigsten deutschen Begriffe: „Nummer ziehen“, „Zuständig bin ich nicht“ und „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Die erste Folge beginnt emotional: Amina (23) aus Syrien freut sich auf Sicherheit, Frieden und neue Chancen – und steht erst einmal drei Stunden im Einwohnermeldeamt, weil ihr Passfoto angeblich „zu freundlich“ aussieht. Schnitt zu Carlos (31) aus Mexiko: Hochqualifizierter Ingenieur, der jetzt erklärungslos in einer Warteschleife der Ausländerbehörde lebt. Seine neue Lebensphilosophie: „Ich plane nichts mehr unter vier bis fünf Bearbeitungsmonaten.“ Parallel dazu begleitet das Kamerateam den Kameruner Kwame (28), der optimistisch verkündet: „Die Deutschen sind sehr pünktlich.“ Schnitt. Regionalbahn fällt aus. Anschluss verpasst. Kwames Blick sagt alles. Natürlich darf der Integrationskurs nicht fehlen.

Immer ein Quell der Freude: Bahnverkehr in Deutschland

In Folge zwei lernen die Teilnehmenden: dass „gleich“ alles zwischen 5 Minuten und 3 Wochen heißen kann, dass man sich in Deutschland auch im Sommer über Heizkosten unterhält, und dass Passiv-Aggressivität ein offizielles Kommunikationsmittel ist. Besonders beliebt: die Prüfungsfrage „Was tun Sie, wenn ein Nachbar am Sonntag Rasen mäht?“

A) Wütend sein

B) Anzeige vorbereiten

C) In die Hausgruppe schreiben

D) Alle Antworten sind korrekt

Das emotionale Highlight jeder Folge ist der Moment, in dem die Neuankömmlinge realisieren, dass Deutschland nicht nur aus Fachwerk, Effizienz und fairer Bezahlung besteht, sondern auch aus Faxgeräten, Formularen in dreifacher Ausfertigung und dem ewigen Satz: „Da fehlen leider noch zwei Unterlagen, die Sie vor drei Wochen hätten einreichen müssen.“ RTL2 verspricht echte Dramen: Wird die Aufenthaltserlaubnis rechtzeitig verlängert? Findet jemand eine Wohnung unter 900 Euro – warm – und ohne 18 konkurrierende Maklertermine? Und schafft es irgendjemand, beim ersten Anruf die richtige Behörde zu erwischen? Der typische RTL2-Off-Kommentar säuselt dazu: „Wird Amina es schaffen, pünktlich zum Termin zu erscheinen, obwohl der Bus nur montags fährt? Und wird Carlos jemals erfahren, wofür das ominöse Formular B47b eigentlich da ist?“ Dazu dramatische Musik. Zeitlupe. Ein Stempel fällt auf ein Dokument. Gänsehaut.

„Hello, Germany!“ ist mehr als Fernsehen. Es ist eine schonungslose Reality-Show über das Land zwischen Willkommenskultur, Wartezimmer und Wahnsinn. Oder wie ein Teilnehmer es am Ende der Pilotfolge zusammenfasst: „Ich dachte, ich fliehe vor dem Chaos. Jetzt lebe ich im System.“