Sorgen um Friedrich Merz
BERLIN (dpoi) – Kein Kanzler hatte es je so schwer wie Friedrich Merz. Jetzt sind viele Rentner, Ehefrauen und Arbeiter besorgt um ihn – wie hält er das nur durch, möchten sie wissen. Unser Reporter geht jetzt dieser spannenden Frage nach. Er hat sich durch das Dickicht aus BlackRock-Aktien und Privatjets bis ins Kanzleramt vorgekämpft, um den Mann zu treffen, der das Leiden Christi wie eine harmlose Grippe aussehen lässt. Friedrich Merz empfing uns in einem abgedunkelten Raum, sichtlich gezeichnet von der unerträglichen Last, ein undankbares Volk zu regieren.
MamM: Herr Kanzler, Sie sehen… mitgenommen aus. Ist es die Inflation? Der Fachkräftemangel?
Merz: (seufzt tief) Ach, wenn es nur das wäre. Schauen Sie mich an. Ich sage es Ihnen ganz offen: Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen, weder Adenauer noch Schmidt. Die hatten es leicht, die mussten nur Länder wiederaufbauen oder kleinere Krisen managen. Aber ich? Ich muss mit euch klarkommen.
MamM: Mit wem genau?
Merz: Mit dieser hypernervösen Öffentlichkeit! Deutschland ist wie eine Katze auf einem lauwarmen Blechdach. Ich sage ein ganz normales Wort, ein völlig harmloses Wort wie „Grundsicherung“, und was passiert? Totale Empörung im ganzen Land. Die Leute lassen sich so dermaßen triggern, das ist ja nicht mehr feierlich. Ich bin von meinem Naturell her einfach sehr offen, aber die Atmosphäre im Land ist derzeit so, dass man kaum noch den Propeller seines Mittelklasse-Flugzeugs anwerfen kann, ohne dass jemand wegen der Windgeräusche weint.

In den Betrieben unseres Landes sind viele Menschen in großer Sorge um unseren Kanzler
MamM: Aber Herr Merz, Sie haben doch im Wahlkampf versprochen, Sie würden die Probleme lösen. Jetzt sagen Sie, die Erfolge kommen nicht über Nacht. War das Erwartungsmanagement vielleicht… sagen wir, ein bisschen „gehobene Mittelschicht“?
Merz: (rückt die Krawatte zurecht) Wir leben eben in einer Zeit der Instant-Gratifikation. Die Leute wollen alles sofort. Wohlstand, Sicherheit, bezahlbare Zahnärzte. Ich bin der erste Kanzler seit 20 Jahren, der den Deutschen die Wahrheit sagt: Die Wohlstandsillusion ist vorbei. Ich muss erklären, erklären, erklären. Aber wenn man gegen eine Wand aus Trigger-Warnungen anredet, wird das Erklären zur Sisyphusarbeit.
MamM: Kritiker sagen, Sie würden die Stimmung selbst anheizen, um sich dann über die Hitze zu beschweren.
Merz: Das ist genau diese Herabwürdigung, von der ich spreche! Ich beschwere mich ja nicht, ich stelle nur fest: Es ist ein Merzyrium. Ich wollte dieses Land auf Kurs bringen, aber das Land möchte scheinbar lieber im Bett bleiben und sich über meine Wortwahl unter Decken verstecken. Ich werde mich trotzdem nicht verbiegen. Wenn die Rentenlage nun mal so ist, wie es ist, dann werde ich das ja wohl noch sagen dürfen, ohne dass die Republik kollektiv zum Riechsalz greift.
MamM: Vielen Dank Herr Bundeskanzler, für Ihre Offenheit. Ein Schlusswort vielleicht noch für unsere Leser?
Merz: Hört auf, so nervös zu sein! Und kauft euch mal vernünftige Aktien. Ganz viele und ganz teure Aktien. Das beruhigt ungemein.
MamM: Herr Kanzler, wir danken Ihnen für dieses… schmerzhafte Gespräch. Kein Kanzler hatte es so schwer wie Sie.