Spontane Sympathiekundgebungen für linke Vulkangruppe in Berlin
Berlin-Mitte (dpoi): Es sind Szenen, wie man sie sonst nur vom Mauerfall oder dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 kennt: Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, Sektkorken knallen auf den Gehwegen, und aus den Fenstern der Berliner Altbauten dröhnt „The Final Countdown“. Der Grund für die kollektive Ekstase? Die linksextreme „Vulkangruppe“ hat wieder zugeschlagen und mit einer geschickten Sabotage am Stromnetz halb Brandenburg und Berlin-Südost lahmgelegt.
„Endlich mal wieder Kerzenschein“
Besonders in den gentrifizierten Kiezen von Berlin herrscht Feierstimmung. „Wir danken den Aktivisten von Herzen“, sagt Malte-Torben (34), während er versucht, seinen Bio-Haferlatte über einem brennenden Stapel ungelesener Zeit-Ausgaben zu erwärmen. „Ohne WLAN und Netflix mussten wir uns zum ersten Mal seit drei Jahren wieder mit unseren Nachbarn unterhalten. Es war furchtbar, aber auch irgendwie … authentisch. Ein echtes Low-Tech-Erlebnis, total entschleunigend!“
In den sozialen Netzwerken – die ironischerweise nur von denjenigen genutzt werden können, die noch Akku und mobiles Netz haben – verbreitet sich der Hashtag #VulkanVibe. Influencer posten Selfies im fahlen Licht von Bienenwachskerzen und preisen den „Industrial-Gothic-Look“ der ausgefallenen Ampelanlagen.

Die Freude ist riesig bei den Berlinern
Die neue Bescheidenheit: Kalt duschen für das Weltklima
Auch die Wirtschaft reagiert flexibel. Berliner Start-ups haben den Stromausfall bereits als neues Geschäftsmodell skaliert. Unter dem Namen „Dark Office Experience“ vermieten Co-Working-Spaces nun dunkle Räume ohne Heizung für 45 Euro die Stunde. „Das fördert die Konzentration auf das Wesentliche“, erklärt ein Sprecher der Tech-Szene. „Wer nicht tippen kann, weil er seine Tastatur nicht sieht, schreibt auch keinen Code-Müll.“
Sogar die Polizei zeigt sich beeindruckt. Ein Sprecher der zuständigen Direktion gab anonym zu: „Natürlich sind das gewissenlose Terroristen, die zehntausende von Menschen mitten im Winter in ein irres Drama stürzen, Aber dass die Jungs es schaffen, mit einem simplen Kurzschluss mehr für die Verkehrsberuhigung zu tun als die gesamte Senatsverwaltung in zehn Jahren, nötigt einem fast schon einen gewissen Respekt ab.“
Ein erstes Fazit
Während die Techniker der Stromversorger unter Hochdruck daran arbeiten, das Netz wiederherzustellen, hoffen viele Berliner auf eine Verlängerung der stromfreien Zeit. „Wenn sie morgen noch das Wasser abstellen, wäre das das ultimative Burning-Man-Feeling mitten in Zehlendorf“, schwärmt eine Passantin.
Die Vulkangruppe selbst ließ über ein mit Schreibmaschine getipptes Bekennerschreiben verlauten, dass sie „die kapitalistische Maschinerie eiskalt ins Mark treffen“ wollte. Man sieht sich der Weltrevolution einen entscheidenden Schritt näher gekommen
Die Politik zögert derweil noch mit einer Bewertung der Vulkangruppe. Ein Sprecher des Berliner Abgeordnetenhauses gibt sich ratlos: „Wenn das Russen wären oder Rechtsradikale oder Islamisten oder wenigstens fanatische Trump-Fans, dann könnte die Einordnung viel leichter fallen. Am besten wären natürlich fanatische, rechtsradikale russische Trump-Fans islamistischer Prägung …“.