Verwechselt, verladen, verschwunden – Werner Senfmüller und ein Irrtum in der Nacht
Markscheid stand am Morgen Kopf: Wo sonst nur ein Pizzabäcker und der Paketdienst für Aufregung sorgen, fehlte plötzlich eine Schlüsselfigur des örtlichen Alltagslebens. Werner Senfmüller, bekannt als Markscheider Merz-Double, Frühschoppen-Philosoph und lebende Beweisführung dafür, dass Frisur Politik und Kultur macht, war über Nacht verschwunden. Wie sich später herausstellte, nicht etwa aus freien Stücken, sondern im Rahmen einer „hochpräzisen“ amerikanischen Spezialoperation.
Augenzeugen berichten von dunklen Hubschraubern, Männern mit Nachtsichtgeräten und der wiederholten Frage: „Are you Friedrich?“ Senfmüller, noch im Bademantel und mit dem Müllbeutel in der Hand, soll geantwortet haben: „Nee, Werner, aber des hör ich öfter.“ Diese Differenzierung reichte den Elitekräften offenbar nicht. Binnen Sekunden sei Senfmüller fachgerecht gesichert, mit einem Foto auf einem Klemmbrett abgeglichen und unter dem Codewort „Target Merz, slightly more sourlandian than expected“ außer Landes gebracht worden.

Markscheid bei Nacht
In Washington zeigte man sich später irritiert. Man habe „eine gewisse Ähnlichkeit mit einer politisch relevanten Person“ festgestellt und aus Gründen der transatlantischen Vorsicht gehandelt. Senfmüller selbst meldete sich inzwischen aus einer gesicherten Einrichtung „irgendwo zwischen Ramstein und Nevada“. Das Essen sei okay, sagt er, nur vermisse er seinen Stammtisch hinterm Büdchen und wisse nicht, warum man ihn ständig nach seiner Haltung zu Grönland frage. In Markscheid indes wächst die Erkenntnis: Globalisierung kann jeden treffen – vor allem, wenn man einem Politiker zu ähnlich sieht.