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Die Leiche in der Emscher Teil II

Veröffentlicht von Ambros Braesius am

Wir erinnern uns: Ein dubioser, unangemeldeter Besucher will ein Verbrechen melden, ist selber hochverdächtig, in pinkes Neopren gekleidet und wird sogleich festgenommen. Es ist immer noch Donnerstag, der 10. März 2022, aber jetzt 14:24 Uhr, also kurz vor Feierabend.

Knöllenbeck ist tief ins Studium des Fremdwörterlexikons vertieft, er nimmt das Lernen sehr ernst, schaut irritiert auf, als draussen erregtes Geschrei hörbar wird. Dann wird die Bürotüre aufgerissen und eine tropfende Frau in pinkem Neoprenanzug schlappt herein und baut sich vor seinem Schreibtisch auf, indes sich um ihre Füsse eine Pfütze bildet.

Sie stemmt die Arme in die Hüften und legt los: „Was haben Sie mit meinem Mann gemacht,  Sie Depp?“

„He He,  sachte, calmieren Sie sich, sonst walte ich meines Amtes! Wer ist ihr Mann?“ 

“Waldemar Schlunk!  Ich hörte er sei festgenommen worden.”

„Leider musste ich ihn inkarzerieren, weil seine Geschichte so suspiziös war.“

„Was? Holen Sie ihn. raus, er hat nichts gemacht!“

„Wer sind Sie, offenbar mit dem Verbrecher liiert?“

„Siglinde Schlunk, mein Waldemar wird hier festgehalten!“

„Aha“. Knöllenbeck versteht und concludiert sofort mit scharfem Kriminalistenverstand:

Ein Bild von Siglinde Schlunk aus besseren Tagen. Man erkennt hier schon deutlich die Vorliebe für die Farbe pink und eine gewisse fordernde Haltung, die sie bis an ihr viel zu frühes Ende nicht mehr ablegen würde

„Da nun eine positive Identitätsbestätigung vorliegt, fallen mehrere vermutete Delikte weg, unter anderem Mord, Entsorgung der Ehefrau und fahrlässiges Stehenlassen eines Fahrzeugs mit Hund. Ich nehme ihn aus dem Delinquentenstatus heraus, Sie können also ihren Mann wieder mitnehmen.“

„Was ist mit Schnorchi und Nauti?“ 

„Was ist Schnorchi?“ 

„Ist unser Hund, der ist auch weg.“

Und was hat das mit mir zu tun, will Knöllenbeck gerade fragen, als Frau Fitze die Türe öffnet und einen übelgelaunten, pinken Vierschröt in Knöllenbecks Büro lässt.

„Mein Knusi!“ Frau Schlunk umarmt den immer noch feuchten Neopren mit ihren ebenfalls feuchten  Neoprenarmen.

„Schlunkine“, stottert er,  „ich dachte, du seist tot!“ Dann tanzen beide in Knöllenbecks Büro herum.

Knöllenbeck räuspert sich lautstark.

„Also was ist jetzt? Nachdem sich alles aufgeklärt hat, können sie sich absentieren.“ Er wedelt mit einer Hand in Richtung Türe.

„Moment!“ Frau Fitze erhebt Einspruch: „Was ist mit der Leiche, was war im Lieferwagen?“ Ein peinliches Schweigen macht sich breit. Die Schlunks wechseln einen Blick, dann sagt Schlunkine: „Im Lieferwagen war nichts, ausser ein paar Betonsteine mit Ösen und Ketten daran und der Tote.“ Sie schaut nach rechts oben als sie das sagt und der erfahrene Kriminalist weiss sofort, dass sie gelogen hat.

„Gehen Sie jetzt nachhause, ziehen sie sich was Trockenes, Anständiges an und halten sie sich zu unserer Verfügung, falls wir noch Fragen haben.“ Knöllenbeck blinzelt Frau Fitze zu, bevor sie reklamieren kann, worauf sie ihren Mund wieder zuklappt. Der Kriminalkommissar weiss genau, was er jetzt zu tun hat. Was er aber noch nicht weiss, ist, ob er das auch selbst tun will. Die Tatsache, dass die Schlunks nicht weiter nach dem gestohlenen Auto mit dem darin befindlichen Schnorchi gefragt haben, gibt ihm sehr zu denken. Also instruiert er seine Assistentin Fräulein Jacqueline Freudenreich kurz, dann macht er erst mal Feierabend und geht in der Kneipe „Zum vorletzten Glas“ einige vorletzte Biere zischen.

Werden die Instruktionen, die unser Superkriminalist seiner Assistentin gegeben hat, zur Auflösung des Falles beitragen? Werden wir je wissen, wer der in Auflösung begriffene Tote in der Emscher ist? Und was ist wirklich im versunkenen Lieferwagen?