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Miss Marmoppel und der tote Autofahrer

Veröffentlicht von El Blindo am

Nun lebte Miss Marmoppel bereits zwei Jahre in Deutschland, aber in ihrer neuen Heimatstadt, dem idyllischen kleinen Markscheid, hatte sie noch immer keine Wurzeln geschlagen. Trotz ihrer guten Deutschkenntnisse kam sie nur selten mit den Einheimischen ins Gespräch, und wenn sich doch einmal ein kleiner Plausch ergab, dann fand sich niemand, der ihre große Passion, die Aufklärung von Kriminalfällen, interessant fand. Schade. Und trotzdem gab sie die Hoffnung nicht auf, auch hier eines Tages Anschluss zu finden.

Gerade überquerte sie die Bumshagener Straße im Herzen Markscheids, als ihr einer ihrer alten Fälle wieder in den Sinn kam. Sie hatte die Mörderin von Cora Lansquenet überführt, indem sie …

Und genau in dieser Sekunde bremste ein Auto mit quietschenden Reifen direkt vor ihr ab. Miss Marmoppel ist zwar eine gepflegte englische Dame, kann aber durchaus Zähne zeigen, wenn man ihr zu nahe tritt. Und so zögerte sie auch keine Sekunde, um den Rüpel am Steuer umgehend zur Rede zu stellen.

Sie trat umgehend an die rechte Fahrzeugtür und begann, auf den Fahrer einzureden: „Hör mal zu, Du Douchebag, so kannst Du mit einer Lady nicht umgehen! Hast Du denn keine Augen im Kopf?!“

Der Fahrer machte keinerlei Anstalten, ihre Frage zu beantworten, ja, der Mann dreht ihr nicht einmal den Kopf zu, sondern blickt hinter einer dunklen Sonnenbrille starr weiter auf die Straße. Er wirkte seltsam steif und unbeweglich. Stattdessen beugte sich jetzt der Beifahrer zu ihr hin und erklärte der staunenden Miss Marmoppel den Sachverhalt:

„Natürlich hat er Augen im Kopf! Der Mann ist zwar tot, aber deswegen muss man noch lange nicht so mit ihm umgehen. Schämen sie sich.“

Nur weil jemand tot ist, muss er noch lange kein schlechter Autofahrer sein

Jetzt erst bemerkte Miss Marmoppel, daß es sich ja gar nicht um ein Fahrzeug mit dem Lenkrad auf der rechten Seite (wie in ihrer alten Heimat) handelte. Gefahren war also in Wahrheit der vermutlich wahnsinnige Prolet, der seinen Kumpel mit dem absurden Argument verteidigt hatte, dieser sei nicht mehr am Leben.

„Sie fahren also mit einem Toten auf dem Beifahrersitz durch Markscheid und belästigen dabei alte Damen?“, entgegnete die Engländerin und begann dabei, den ungepflegten Mann im zerknitterten Hemd näher zu visieren, der sie da so unverschämt angesprochen hatte. Eigelb am Revers seines billigen Anzugs, unrasiert, zwei verschiedene Schuhe an den Füßen – keine Frage, ein Halbverrückter.

„Behindern sie nicht die Polizeiarbeit!“, rief Ihr der Fremde entgegen. „Ich muss den Burschen hier ins Leichenschauhaus bringen. Und morgen pünktlich um 10.00 Uhr will ich sie zur Aussage im Revier sehen. Lassen sie sich schon mal eine gute Geschichte einfallen. Hier meine Karte.“

Dabei drückte er ihr einen schmierigen Papierschnipsel in die Hand, lehnte sich kurz im Wagen zurück und gab dann sofort kräftig Gas.

Ziemlich entgeistert blieb Miss Marmoppel mitten auf der Straße stehen und betrachtete die Visitenkarte des erstaunlichen Menschen, den sie gerade kennengelernt hatte. „Knöllenbeck“, stand da. Ob es wohl Tee gibt auf deutschen Polizeirevieren?