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Miss Marmoppel und die letzte Fahrt des nassen Schloters / Zweiter Teil

Veröffentlicht von El Blindo am

Neben der Kriminologie hatte Miss Marmoppel noch eine zweite große Leidenschaft, von der allerdings nur ihre engsten Freunde etwas wußten. Zu diesem recht überschaubaren Kreis gehörte Anja Weitmann, deren Anruf an einem windigen und nebligen Tag im Spätherbst einmal mehr ziemlich überraschend kam: „Du hast doch immer schon die Archäologie geliebt, nicht? Dann komm mal schnell her zu mir in den Fickwalder Forst. Wir haben da jemanden gefunden, den ich Dir unbedingt vorstellen möchte …“. Miss Marmoppel griff rasch nach Hut und Mantel und war schon unterwegs.

Die Grube gab den Blick auf ein recht gut erhaltenes Skelett mit nur wenigen deutlich erkennbaren Schäden frei. Anja Weitmann und Miss Marmoppel standen am Rand des Ausgrabungsfeldes und auf Wunsch ihrer Freundin gab die erfahrene Hobby-Kriminalistin eine erste Einschätzung: „Wie lange er schon da unten liegt, kann dir natürlich nur eine genaue Untersuchung sagen. Fünf, vielleicht sechshundert Jahre aber bestimmt, wenn man sich den Zustand und die Beschaffenheit der erbärmlichen Reste seiner Kleidung ansieht. An seiner rechten Seite sind die Rippen ernsthaft beschädigt. Ich vermute, hier kam eine ziemlich kurze Klinge zur Anwendung, vielleicht ein Stilett oder auch ein etwas breiterer Dolch. Damit wurde unser Fundstück gleich mehrfach bearbeitet und die einzelnen Hiebe müssen ihm mit großer Kraft zugefügt worden sein. Und schon habe wir die Todesursache.“

Natürlich konnte Miss Marmoppel nicht wissen, daß sie hier auf die sterblichen Überreste des nassen Schloters hinunterblickte und sie würde dies auch nie erfahren, obwohl sie doch dessen Todesumstände schon recht gut herausgearbeitet hatte. Und selbstverständlich wusste sie zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, daß sie hier erstmals auf eine mehr oder auch weniger heiße Spur des fleckigen Rigoberts gestoßen war …

Noch im Tod macht der nasse Schloter einen ganz passablen Eindruck

Und während sie noch über die Beschädigungen am aufgefundenen Skelett nachdachte, riss sie eine wohlvertraute Stimme aus ihren Gedanken: „Natürlich, die Miss Betthoppel! Man trifft sie aber auch wirklich überall, sobald in dieser Stadt ein Verbrechen geschieht, nicht? Finde ich ja extrem auffällig. Ganz extrem sogar.“ Und mit diesen Worten sprang Kommissar Knöllenbeck, der schon eine kurze Zeit unbemerkt neben den beiden Damen gestanden hatte, runter in die Grube, stellte sich direkt neben den Toten und setzte zu einem beachtlichen Fazit seiner Beobachtungen an:

„Hier wurde ein Obdachloser Opfer eines Raubüberfalls und deswegen liegt bisher auch keine Vermisstenanzeige vor. Sehen sie sich nur mal die ärmlichen, abgefetzten Klamotten an, in denen dieser arme Mensch rumgelaufen ist! Die Schuhe sehen ja aus, als hätte er Wickelgamaschen getragen. Und sogar die Uhr haben sie ihm geklaut. Was gibt es nur für Menschen …“

Sogar Knöllenbeck entging die eigenartige, lehmartige Bodenschicht nicht, in denen das Skelett vor seiner Ausgrabung gelegen hatte. Er nahm eine Handvoll davon auf, roch erst daran und leckte dann einen Finger an. Nun fuhr er mit diesem behutsam über die Probe und leckte seinen Finger anschließend mit der Zunge ab: „Seltsam. Dieser Geschmack kommt mir irgendwie bekannt vor.“

Miss Marmoppel hatte sich bereits eine Vorstellung von der Beschaffenheit des Bodens gebildet und lächelte wissend. Wer macht sowas? Wer tötet einen Feind derart brutal und ist dann noch so gemein, das Opfer in dieser Weise zu entsorgen? Und noch bevor sie sich versah, hatte sie so bereits die Fährte des fleckigen Rigoberts aufgenommen.